Weltuntergangsliteratur
Alle warten auf den Crash

Wie schütze ich mich vor dem nächsten Crash? Nach vier Jahren Börsenaufschwung ergötzen sich Autoren an Weltuntergangsliteratur. Die düsteren Titel wie „Der nächste Crash kommt bestimmt“, „Besiege den Crash“ und „Das kommende finanzielle Inferno“ fallen dabei auf fruchtbaren Boden.

DÜSSELDORF. Pünktlich zum 20. Jahrestag des größten Tagesverlusts an den Börsen übertrumpfen sich Autoren der Finanzmarktszene mit entsprechenden Ratschlägen. Dabei überzeugen weniger die düsteren Analysen der Weltwirtschaft und Prognosen für die Aktienmärkte. Dafür scheinen die Argumentationsketten doch ein Stück weit zu einseitig gestrickt. Wer aber von Natur aus eher optimistisch sein Leben genießt, wird nach nunmehr fünf aufeinanderfolgenden guten Börsenjahren künftig vorsichtiger investieren.

Neue, düstere Titel wie „Der nächste Crash kommt bestimmt“, „Besiege den Crash“ und „Das kommende finanzielle Inferno“ basieren allerdings nicht nur auf Vergleichen mit historischen Crashs wie 1987 oder 1907. Vor 20 Jahren ließen automatische Verkaufsprogramme den amerikanischen Dow-Jones-Index um mehr als 20 Prozent einbrechen. Vor 100 Jahren stand die noch junge Wall Street angesichts rasanter Kurseinbrüche, massiver Liquiditätsengpässe und einer Vertrauenskrise unter den großen Banken vor ihrer bis heute größten Belastungsprobe.

Noch mehr Einfluss als diese spektakulären Einbrüche hat die jüngste Baisse nach der Jahrtausendwende auf die heutige Börsenliteratur. In drei verlustreichen Jahren von Anfang 2000 bis März 2003 brachen die europäischen Börsen so stark ein wie zuletzt vorrund 70 Jahren. Die anschließende Erholung führte viele Aktienkurse bis heute zwar wieder auf ihre alten Hochs zurück. Doch anders als in den euphorischen 90er-Jahren begleitet diesmal sehr viel Skepsis die Hausse. In der boomenden Crash-Literatur hat sich eine dunkle Front gegen den optimistischen Zeitgeist zusammengebraut. Die Zutaten sind seit Jahren steigende Aktienkurse gepaart mit schmerzlichen Erinnerungen an die geplatzte Internetblase samt Bilanzfälschungen, Konjunktur-, Terror- und Kriegsängsten.

Der Hang zu Weltuntergangsszenarien fällt auf fruchtbaren Boden, wie zahlreiche Blogs und Chat-Rooms im Internet belegen. Anleger diskutieren kaum darüber, ob der Abschwung kommt, sondern vielmehr, wie tief die Aktienkurse in der Baisse fallen werden, die scheinbar so sicher wie das Amen in der Kirche kommt. Paradebeispiel ist der „Konstanzer Kreis“, in dessen Vorträgen, Stammtischen, Seminaren, Lehrvideos und Internetforen sich alles um Finanzmarktkrisen, Wirtschaftszusammenbrüche und Crashs dreht.

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