Weniger Besuchern
Buchmesse zieht positive Bilanz

Mit einem leichten Besucherrückgang ist am Wochenende die 61. Frankfurter Buchmesse zu Ende gegangen. Dennoch zogen Organisatoren und Aussteller am Sonntag eine positive Bilanz der weltgrößten Bücherschau.
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HB FRANKFURT/MAIN. „Das Geschäft mit den Lizenzen hat gebrummt wie nie zuvor“, sagte der Sprecher der Buchmesse, Thomas Minkus. Von der Krise sei nichts zu spüren. Zum Abschluss meldeten sich mit den Vertretern der Tibeter und Uiguren nochmals die Kritiker des Gastlandes China massiv zu Wort. Zu den prominenten Autoren am Sonntag, die Bücher vorstellten, gehörte der Schauspieler Ben Becker und die US-Bestsellerautorin Donna Cross.

Insgesamt kamen zur Buchmesse 290 469 Besucher - 9 000 weniger als im vergangenen Jahr. Dennoch ist es das zweitbeste Ergebnis in der 60-jährigen Geschichte der Bücherschau. Die Messe war am Wochenende - nach drei Tagen für Fachbesucher - für das Lesepublikum geöffnet.

Rund 7 300 Aussteller (Vorjahr: 7 373 Anbieter) aus 100 Ländern hatten mehr als 400 000 Titel angeboten, darunter 124 000 Neuerscheinungen. Die vermietete Ausstellungsfläche lag um zwei Prozent niedriger, da vor allem Verlage aus den USA und Osteuropa sich wegen der Rezession verkleinert hatten.

Die Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren, Rebiya Kadeer, sagte am Sonntag, es sei nicht richtig gewesen, „China, das die Menschenrechte mit Füßen tritt, als Ehrengast zu empfangen und zu belohnen“. In den vergangenen Tagen seien sechs Uiguren wegen der blutigen Unruhen im Sommer zum Tode verurteilt worden. Der Sondergesandte des tibetischen Oberhauptes, des Dalai Lama, kritisierte, viele demokratische Regierungen zeigten kein Rückgrat in ihrer Haltung zu Peking. „Was unterdrückte Menschen am meisten brauchen, ist Hoffnung“, sagte Kelsang Gyaltsen.

Kadeer und Gyaltsen beklagten die Unterdrückung von Schriftstellern in ihrer Heimat. „Es gibt keine richtige uigurische Literatur“, sagte die Uiguren-Führerin. Jeder Menschenrechtler werde als „Terrorist“ oder „Separatist“ verfolgt. „Unsere Schuld besteht darin, dass wir Einheimische in diesem Land sind.“

Die Buchmesse zog ein gemischtes Fazit zum Gastland: „Ich hätte mir mehr Offenheit gewünscht“, sagte Sprecher Minkus. Er wies jedoch zugleich darauf hin, dass sich China erstmals im Ausland so umfassend kulturell präsentiert und sich auch mit seinen Kritikern konfrontiert habe. Im Vorfeld war die Buchmesse, die vom Dachverband der deutschen Buchbranche organisiert wurde, wegen zu großer Rücksicht auf die Interessen der Pekinger Verwaltung für Presse und Publikationen (GAPP) - der obersten chinesischen Zensurbehörde - kritisiert worden.

Donna Cross und Regisseur Sönke Wortmann berichteten am Sonntag über ihre gemeinsame Zusammenarbeit auf der Messe. Wortmann, der nur den Titel des Buches kannte, hat den Cross-Bestseller „Die Päpstin“ verfilmt. Der Historienstreifen kommt am 22. Oktober in die Kinos. Nach seinem Kollegen Til Schweiger stellte am Sonntag auch Schauspieler Ben Becker sein erstes Kinderbuch auf der Messe vor.

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