Wenn der Theatermacher Christoph Marthaler inszeniert, ist Bühnenbildnerin Anna Viebrock dabei. Jetzt auch in Bayreuth
Ein Duo auf dem Wagner-Gipfel

Kein Skandal. Wie schade. Und doch ein Coup. Denn Bayreuth holt sich in diesem Jahr den gefeierten Theatermacher und Opernregisseur Christoph Marthaler auf den Festspielhügel. Der kaum noch umstrittene, stattdessen fast einhellig bewunderte Regisseur inszeniert zur Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele am 25. Juli die Liebestragödie „Tristan und Isolde“.

HB BAYREUTH.Nach Christoph Schlingensiefs „Parsifal“ im letzten Jahr ist dies ein neues Bravourstück des 85-jährigen Wagner-Enkels Wolfgang. Er leitet seit 1951 die vom Großvater gegründeten Festspiele.Zunächst mit seinem Bruder Wieland, nach dessen Tod seit 1966 allein.

1951 wurde auch Christoph Marthaler geboren, studierte in Zürich und Paris Musik und Theater, komponierte Schauspielmusiken, überraschte in Basel mit eigenwilligen Produktionen voll Poesie, Humor und Hinterlist, amüsant und unterhaltsam und doch voller Fallen und geistiger Tretminen.

Und die Bühnenbildnerin Anna Viebrock, ebenso Jahrgang 1951, ist von Marthalers Seite kaum noch wegzudenken. 1993 kam der gemeinsame Durchbruch an Frank Castorfs Berliner Volksbühne mit einem vertrackt kuriosen Requiem auf die untergegangene DDR: „Murx den Europäer“. Seither gelten beide als künstlerisches Gespann der leise aufregenden Art. Das Motto „Wo Marthaler draufsteht, ist auch Viebrock drin“, stimmt eher umgekehrt: „Wo Viebrock draufsteht, ist auch Marthaler drin.“

Faszinierend ist, dass beides nicht wie sonst bei einem Markenartikel nach Inhalt und Verpackung zu trennen ist. „Natürlich gibt es nach so langer enger Zusammenarbeit eine künstlerische Partnerschaft in Harmonie, die frei von Druck und Stress ist“, sagt die Bühnenbildnerin Viebrock. „Marthaler will sich wohl fühlen und will auch, dass seine Künstler das tun. Er ist gegen Perfektion und Gewalt, lockert seine Mitwirkenden selbst im Endprobenstress mit Quatsch und Blödsinn.“

Man glaubt es sofort. Denn Marthaler sieht aus wie ein untersetzter, verschmitzt lachender Beckett-Clown mit lustig funkelnden Augen und zauselig grauem Haar.

Das vielfach gemeinsam ausgezeichnete Regie- und Ausstattungsduo hat auch Opernerfahrungen. Für Marthaler aber ist „Tristan“ die erste Wagner-Regie: „Tristan lag ihm wohl auch am nächsten. ‚Gottlob gibt’s da keine Götter’, fand er“, sagt Viebrock. Und die Zeit zu dehnen, wie es beim „Meister der Langsamkeit“ die Regel ist, war hier kein Problem. Die Spieldauer ist vorgegeben und beträgt über vier Stunden.

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