Werner Bräunigs Rummelplatz
Rummelplatz der Geschichten

Am Donnerstag wird der "Preis der Leipziger Buchmesse" verliehen. Erstmals steht ein Autor posthum auf der Nominiertenliste. Doch auch wenn der Text schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, er ist umso interessanter, weil er mitten in spannenden Zeiten der deutschen Geschichte steckt.

BERLIN. In der kommenden Woche beginnt die Leipziger Buchmesse (22. bis 25. März). Es ist die wichtigste nationale Bücherschau im Frühjahr. Einer der Höhepunkte wird der "Preis der Leipziger Buchmesse" sein, der am Donnerstag verliehen wird. Er ist mit insgesamt 45 000 Euro dotiert.

Zum ersten Mal hat in diesem Jahr ein Autor posthum den Sprung auf die begehrte Nominiertenliste geschafft. In der wichtigen Kategorie "Belletristik" wurde Werner Bräunigs opulenter Roman "Rummelplatz" berücksichtigt - neben "Kältere Schichten der Luft" von Antje Rávic Strubel, Wilhelm Genazinos "Mittelmäßiges Heimweh", "Anmut und Gnade" von Wolfgang Schlüter und dem Erzählband "Handy - Dreizehn Storys in alter Manier" von Ingo Schulze.

Der Roman des 1976 verstorbenen DDR-Autors Werner Bräunig hieß ursprünglich "Der eiserne Vorhang". Er war nie gedruckt worden. Schon Auszüge in der Zeitschrift "Neue Deutsche Literatur" hatten gereicht, Walter Ulbricht und andere Genossen auf den Plan zu rufen.

Bräunig hatte in seinem Buch schonungslos die Probleme der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte aufgegriffen. Zu schonungslos für die DDR-Führung, die das Buch vor 42 Jahren auf dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED derart an den Pranger stellte, das an eine Veröffentlichung nicht mehr zu denken war.

Mit Romanpassagen wie "Überall, wo sie keine Antwort parat hatten, witterten sie den Klassenfeind und riefen nach dem Staatsanwalt" war Bräunigs Karriere als Schriftsteller in der DDR beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Die Söhne gaben das Manuskript ihres Vaters nach der Wende an den Aufbau Verlag. Jetzt erscheint das Opus magnum zur Buchmesse unter dem Titel "Rummelplatz".

Hauptschauplatz des 750-Seiten-Werks ist der Abbaubetrieb für Uranerz in Wismut. Es ist ein Klein-Texas mit Goldgräberstimmung, wo nach dem Krieg Bergleute, Kriegsheimkehrer und die sowjetische Schachtleitung aufeinander treffen. Werner Bräunig, der als Arbeiter zu schreiben begann, geht es in seinem Buch auch um den Wert der Arbeit, die das Leben seiner Protagonisten maßgeblich bestimmt.

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