Werner Seifert
Machtkampf, Markt, Manipulation

Inzwischen ist Werner Seifert weit weg. Weit weg von Frankfurt, weit weg von London, den beiden Städten, in denen dem ehemaligen Chef der Deutschen Börse so übel mitgespielt wurde. Der im Mai wegen seiner Ambitionen, die Londoner Börse LSE zu übernehmen, von rebellischen Aktionären geschasste Schweizer hat seine Wohnung am Main aufgegeben und ist ins idyllische Fischerörtchen Kinsale an der irischen Südküste gezogen.

FRANKFURT/ DÜSSELDORF. Doch auch von der Grünen Insel aus kann der streitbare Manager für jede Menge Aufregung in den europäischen Finanzzentren sorgen. Im März soll endgültig sein lange erwartetes und von vielen gefürchtetes Buch über die gescheiterte Übernahme der Londoner Börse und seinen Kampf mit den eigenen Aktionären erscheinen. "Invasion der Heuschrecken" wird es heißen und im Econ Verlag erscheinen.

Co-Autor des Werks mit dem Untertitel "Intrigen - Machtkämpfe - Marktmanipulation" ist Hans-Joachim Voth, Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte, ein alter Vertrauter von Seifert aus gemeinsamen Tagen bei der Unternehmensberatung McKinsey.

Intrigen, Machtkampf, Manipulation, der Untertitel würde auch bestens zur Entstehungsgeschichte von Seiferts Buch passen. Das zeigt ein Blick hinter die Kulissen des umstrittenen Projekts.

Kaum aus dem Amt gejagt, kündigte das Manager-Schwergewicht Seifert auch schon trotzig sein Werk an. Die ungeschminkte Wahrheit und nichts als die ungeschminkte Wahrheit über seinen Kampf mit den gefährlichen Hedge-Fonds sollte darin stehen. So brisant sollte der Inhalt werden, dass viele Betroffene das Erscheinen gerne verhindert hätten. Die Deutsche Börse verknüpfte zum Beispiel den Streit über Seiferts millionenschwere Abfindung mit dem geplanten Buch. Ein ehemaliger Manager dürfe schließlich keine Geschäftsgeheimnisse aus seinem alten Berufsleben ausplaudern, ließ ein Aufsichtsrat der Börse damals wissen. Die Verlagsmanager von Econ kündigen denn auch vollmundig einen veritablen Wirtschaftskrimi aus Seiferts Feder an. Der Werbetext verspricht tatsächlich pikante Enthüllungen: "Mit fragwürdigen Methoden zwingen britische Investoren um den Hedge-Fonds-Manager Chris Hohn einem der profitabelsten Dax-Unternehmen neue Spielregeln auf. .... Sie plündern durch Aktienrückkäufe die Unternehmenskasse und setzen ihre Wunschkandidaten im Aufsichtsrat durch - und das alles, ohne die Mehrheit am Unternehmen zu besitzen."

Doch bekommen die Buchkäufer tatsächlich den Wirtschaftskrimi rund um die Deutsche Börse zu lesen? Genau genommen handelt es sich bei der "Invasion der Heuschrecken" nämlich nicht um das Buch, das Seifert eigentlich schreiben wollte. Das plante er zusammen mit dem britischen Unternehmensberater und Publizisten David Marsh.

Vor einigen Tagen beendeten die Partner die vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit in "gegenseitigem Einvernehmen". Die gemeinsame Arbeit lief allerdings schon vor Monaten aus. Warum? Die Co-Autoren konnten sich zum Beispiel über den Zeitplan nicht einigen. Marsh bevorzugte ein "dünnes, aber schnelles Buch", weil er fürchtete, dass der Nachrichtenwert von Seiferts Enthüllungen schnell schwinden würde. Der penible Brite beharrte außerdem auf der Verifizierung einiger von Seifert behaupteter Fakten und Zusammenhänge. Außerdem stieß sich Seifert wohl am Entwurf des Vorworts, in dem Marsh "zahlreiche Fehleinschätzungen" seines Klienten im Übernahmekampf mit der Londoner Börse aufzählt.

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