Wetten, dass..?
„Wer ist schon fehlerfrei?“

Die letzten Kritiken waren verheerend. „Wir haben das verstanden“, sagt Markus Lanz. In der neuen Sendung will der Moderator deshalb alles richtig machen. Aber reicht das Vermeiden von Peinlichkeiten für eine gute Show?
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KölnBei der Wette mit der Dampfwalze und den Bierflaschen erzählt Markus Lanz dann sogar einen FDP-Witz: Was ist gelb und stolpert auch wegen ein paar Flaschen? Das Publikum lacht. FDP-Witze, dachte man sich wohl, gehen doch jetzt gerade gut. Dass der Witz arg geplant rüberkam, ja beinahe wie abgelesen, schien ihn nicht weiter zu stören. Wir sind nicht peinlich. Wir sind en vogue. Nur das zählt.

Diese Haltung steht stellvertretend für diese „Wetten, dass..?“-Ausgabe aus Bremen, für einen Abend, an dem Markus Lanz vieles richtig machen wollte, dabei aber oftmals nur sehr bemüht wirkte. Das ging schon bei der Begrüßung los, als er eine „persönliche Bemerkung“ an die Zuschauer richtete: „Es gibt etwas im deutschen Fernsehen, was einmalig ist: Diese Liebesbeziehung zwischen Ihnen, dem Publikum zu Hause, und dieser Sendung“, sagte er da. „Und wie das so ist in einer 30-jährigen Ehe: Da kracht es auch schon mal ein bisschen.“ Ein Partner, so Lanz weiter, komme dabei mal „aus der Spur“ oder „in eine zweite Pubertät.“ Geholfen hat die Erkenntnis trotzdem nicht. „Wetten, dass...“ war am Samstagabend klarer Quoten-Verlierer gegen den Klitschko-Boxkampf auf RTL.

Dann richtete er sich offenbar direkt an die vielen Kritiker und deren Verrisse: „Wir haben das alles verstanden und raufen uns deshalb wieder zusammen.“ Er habe, so witzelt er, gemäß einer guten Ehe „niemals an Scheidung gedacht, dafür öfter mal an Mord“. Lanz, der Geläuterte?

Eine Entschuldigung war das zwar nicht so ganz, aber doch hatte man im neu formierten „Wetten, dass..?“-Team offenbar das Bedürfnis verspürt, den Zuschauern irgendwie noch einmal die Hand reichen zu müssen, nach den verheerenden bis vernichtenden Kritiken an der Mallorca-Ausgabe, die mit 6,7 Millionen Zuschauern den historischen Quotentiefpunkt der Sendung markiert hatte. In der Sommerpause hatte man die Show ein bisschen renoviert; Programmdirektor Norbert Himmler hatte angekündigt, „einiges verbessern“ zu wollen. Lanz selbst hatte vor ein paar Tagen gesagt, in Bremen wieder „ein sehr klassisches „Wetten, dass..?“ machen zu wollen.

Das, immerhin, war kein schlechter Vorsatz: Diese „Wetten, dass..?“-Sendung war besser als die vorherige. Es gab deutlich weniger peinliche Momente und wenig Fremdscham. Es gab routinierte Wetten, eine davon, mit einem Tablet, kann man gar als sehr modern bezeichnen.

Es gab Hollywood-Stars, einen guten Song (von John Newman) und einen netten Musical-Ausschnitt aus Rocky. Man ging auf Nummer sicher. Das bedeutete aber leider auch: Es gab wenig Witz. Denn das Unterlassen von gröbsten Fehlern macht allein noch keine gute Show.

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Sensationell, Wahnsinn, ein Traum

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  • Der mit Abstand beste Moderator von "Wetten, dass..." war Thomas Gottschalk. Er konnte sich den unterschiedlichsten, nicht geplanten Situationen stets clever anpassen, fand die richtigen Worte und meisterte den Talk mit den Prominenten souverän. So hielt er die Gäste im Saal und die TV-Zuschauer gebannt.
    Fazit: Thomas Gottschalk muß wieder ran!

  • Man mag zu "Wetten, dass ..." stehen, wie man will. Aber diese Sendung mit der - aus der Halbwelt des Boxens stammende - Dauerwerbesendung eines unrühmlichen Privatsenders zu vergleichen und dabei festzustellen, diese habe eine bessere Einschaltquote gehabt, sagt doch sehr viel über unsere Gesellschaft im allgemeinen und den Fernsehzuschauer im besonderen.

  • 1. Niemand wird gezwungen die Sendung zu sehen!

    2. Lanz hat die Aufgabe angenommen, alle anderen die zuvor gefragt wurden hatten die Hose voll. Und auch Gottschalk wurde zuletzt immer mehr kritisiert. So gesehen macht Lanz das wohl nicht ganz so schlecht.

    3. Wenn einem das Gequatsche zu sehr stört, kann man sich die Sendung auch aufzeichnen und dann nur die Wetten ansehen.

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