Winzer
Die Angst vor dem Ende

In den vergangenen Jahren konnten die Märkte von Bordeaux, Brunello und Barolo nicht genug kriegen, vor allem die teuersten Rotweine erfreuten sich bei Geschäftsleuten und Bankern großer Beliebtheit. Die Folge: steigende Preise. Doch in der Krise fragen sich immer mehr Winzer: Wann platzt die Spekulationsblase?

MAILAND. Alle Jahre wieder – und doch ganz anders. Die Weinmesse „Vinitaly“ im norditalienischen Verona steht im Schatten der Krise. In den Gängen der Messestände beschäftigt vor allem eine Frage die Experten der Branche: Wann endet die Spekulation um die begehrten Weine?

Zum 43. Mal sind Winzer aus Italien und anderen Ländern nach Verona gepilgert, um dort ihre edlen Tropfen zur Schau zu stellen. Von den Marchesi Antinori aus der Toskana über „Casa di Grazia“ aus Sizilien bis hin zur Havana Hills Farm in Südafrika: Insgesamt 4 250 Aussteller aus 29 Ländern sind zum Weinspektakel in die Stadt von Julia und Romeo gekommen – mehr als je zuvor. Und doch befürchtet jeder das Ende des Booms.

In den vergangenen Jahren konnten die Weltmärkte nicht genug von Bordeaux, Brunello und Barolo bekommen. Banker und Geschäftsleute in New York, Moskau oder Peking griffen zu den wohlklingenden Roten. Gerade die teuersten Weine waren oft schon im Vorfeld ausverkauft. Edel-Winzer in der Toskana berichteten, wie russische Gäste die Weine nach dem höchsten Preisschild aussuchten, um die Flaschen Kistenweise in die Heimat zu schicken. Unter Sängern und Schauspielern gehörte es zum guten Ton, sich ein Weingut zuzulegen. Der Sänger Sting hat sich ebenso wie sein Kollege Bob Dylan für Italien entschieden. Der französische Schauspieler Gerard Depardieu legte sich ein Weingut in seiner Heimat zu. Der US-Regisseur Francis Ford Coppola entschied sich mit seinem Weingut im Nappa Valley für den nordamerikanischen Kontinent.

Das alles hat dazu beigetragen, dass die Preise der edlen Tropfen immer weiter in die Höhe schossen und sich auch die italienischen Hersteller nun angesichts der weltweiten Krise fragen: Stehen wir vor dem großen Crash?

Im vergangenen Jahr ist der Export der italienischen Weine noch um zwei Prozent auf 3,6 Mrd. Euro geklettert, wie das Forschungsinstitut der Messe Verona vorrechnet. Aber für das laufende Jahr „hat sich dieser Trend noch nicht bestätigt“, sagt der Generaldirektor der Messe, Giovanni Mantovani. Nur in Japan könne man schon jetzt ein Wachstum von sieben Prozent in den kommenden zwei Jahren voraussehen.

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