Winzer leisten sich Architektur
Moderne Wein-Baukunst

Manchmal isst das Auge nicht nur mit, bisweilen darf es sich auch bei der Weinprobe über Highlights freuen. Aus den USA schwappte ein Trend nach Deutschland, der nicht nur Wein-Fans verzückt: Immer mehr „Showrooms“ glänzen als architektonische Höhepunkte zwischen Moderne und Tradition.

Unwillkürlich muss man an Andreas Gursky denken, wenn man den Verkaufsraum des Staatsweinguts Weinsberg betritt. In hinterleuchteten Regalen sind einzelne Flaschen aufgestellt wie Ikonen. Ganz so wie die Schuhe in dem Prada-Shop, die Gursky fotografierte und zum Kunstgegenstand erhob.

Der Weinsberger Weinladen ist ein strenger, großflächig verglaster Neubau, der nicht nur wegen seines Inhalts Besucher anziehen soll. Winzer wollen ihren Wein und ihre Güter in den Fokus einer architektur- und designinteressierten Käuferschicht bringen. Weinkauf wird gleichzeitig zum Architekturtrip. So wie in dem Winzerstädtchen Haro im spanischen Rioja. Dort hat Zaha Hadid dem Winzer María José López de Heredia einen Showroom hingestellt, der wirkt wie eine eingefallene Hefeteigtasche, die von einem Regendach geschützt wird. Seither pilgern Architekturfans aus der ganzen Welt in den Norden Spaniens, um das futuristische Gebilde aus Stahl und Glas zu bestaunen, das sich neben den alten, traditionellen Gebäuden der Winzerei wie ein eben gelandetes Unikum aus dem Weltall ausnimmt. Damit hat die junge, quirlige Winzerin María genau das erreicht, was sie wollte: Aufsehen für ihr unkonventionelles Weingut.

Im Rioja steht sie mit diesem Wunsch nicht allein. Santiago Calatrava, international bekannter Baukünstler aus Valencia, hatte schon vor ein paar Jahren mit dem aufregenden Neubau der Bodegas Ysios einen ähnlichen Coup gelandet. Und erst im vergangenen Oktober wurde der Aufsehen erregende Hotelneubau des kanadischen Toparchitekten Frank O’Gehry auf dem Gelände der bekannten Weinproduzenten Marqués de Riscal vom spanischen König eröffnet.

Baukünstler von internationalem Rang und Namen setzen dem Wein in der sonst eher untouristischen Region ein Denkmal mit Langzeitwirkung: poetische, mal verspielte, mal strenge, kühne Entwürfe, die so gar nichts mehr mit den rustikalen spanischen Bodegas vergangener Zeiten zu tun haben. Und auch nichts mit den türmchenbesetzten französischen Chateaux von einst, den traditionellen Weingütern der Toskana oder den bieder-romantischen Kellereien im Süddeutschen. Vielmehr sind es moderne Visitenkarten einer neuen Winzergeneration.

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