Wirtschaftsbuchpreis
Gala-Abend im Zeichen der Zukunft

Yuval Noah Hararis Buch „Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen“ ist das beste Wirtschaftsbuch des Jahres. Der israelische Universalgelehrte erhält den mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2017.
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FrankfurtDie Überraschung ist geglückt, nur einer kann gewinnen: Zehn Autoren oder ihre Verleger stellten ihre Bücher am Freitagabend bei der feierlichen Preisverleihung im Rahmen der Frankfurter Buchmesse vor. Es waren die zehn Finalisten des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises. Das Publikum war begeistert von diesem so genannten „elevator pitch“, bei dem jeder zwei Minuten Zeit hatte, um über sein Buch zu sprechen. Jeder machte es anders und auf seine Art, mit Temperament, mit Humor, zum Nachdenken anregend und inspirierend.

Dann lüftete Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart das Geheimnis: Sieger des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2017 ist Yuval Noah Harari mit seinem im Beck-Verlag erschienenen Buch „Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen.“ Die Jury, zusammengesetzt aus hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft, hat sich für das Buch entschieden, um einen Akzent zu setzen: „Es geht um die Folgen des technisch-zivilisatorischen Umbruchs, in dem wir uns befinden. Der Autor bietet brillant geschriebene Denkanstöße und startet eine Debatte, die von uns allen fortgeführt werden muss“, heißt es in der Begründung der Jury.

„Das Buch ist keine Science-Fiction und Harari ist kein Zukunftspessimist, der Autor hat extrem spannende Ansätze, eine neue Sicht der Dinge, um auf die Themen der Zukunft zu fokussieren“, erklärte Steingart, der den Jury-Vorsitz innehat. „Je besser wir verstehen, wie sich die neuen Technologien auf unsere Wirtschaft, Politik und Ethik auswirken, umso klügere Entscheidungen können wir über ihre Verwendung treffen.“

Der israelische Historiker, der mit seinem ersten Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ einen Weltbestseller geschrieben hat, startet in „Homo Deus“ seine Überlegungen damit, dass Hunger, Krankheit und Krieg, die Plagen der Vergangenheit, beherrschbar geworden sind, schreibt Harari. Doch was passiert, wenn Künstliche Intelligenz unsere eigenen kognitiven Fähigkeiten überholt, wenn Google und Facebook unsere politischen Einstellungen besser kennen als wir selbst, was wird aus dem Wohlfahrtsstaat, wenn Computer die Menschen vom Arbeitsmarkt verdrängen und kommen aus dem Silicon Valley am Ende nicht nur neue Geräte, sondern auch neue Religionen?

Harari lehrt Weltgeschichte an der Hebrew University in Jerusalem. Politische Führer wie der französische Präsident Macron und Unternehmer wie Bill Gates suchen den Dialog mit ihm. Sein zweites Buch „Homo Deus“ hat sich bereits drei Millionen mal verkauft. Doch einmal im Jahr zieht er sich für zwei Monate zum Meditieren nach Indien zurück. Dort ist er jetzt. „Das versuche ich jedes Jahr einzurichten. Einfach zwei Monate ohne E-Mails, ohne Computer und ohne Telefon – und sogar ohne Bücher. Ich spreche mit niemandem und versuche, ganz im Jetzt zu leben und auf meinen Körper und meinen Geist zu hören“, sagte Harari in einem Interview mit Handelsblatt-Herausgeber Steingart, der ihn in Tel Aviv getroffen und befragt hatte. Für das Publikum im Saal war das Video aus Israel eine perfekte Möglichkeit, den Autoren kennenzulernen.

Der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, wird vom Handelsblatt, der Frankfurter Buchmesse und der Investmentbank Goldman Sachs verliehen. Die drei Partner wollen mit der Auszeichnung die Bedeutung des Wirtschaftsbuches bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge unterstreichen und einen Beitrag zur ökonomischen Bildung in der Gesellschaft liefern. Verständlichkeit ist ein wichtiges Kriterium. Das Motto des Preises lautet deshalb „Wirtschaft verstehen“.

Das erste Highlight des Gala-Abends in Frankfurt war die Keynote-Speech von Professor Ann-Kristin Achleitner, die auch Mitglied der Jury ist. Fulminant stimmte sie das Publikum ein mit einer Mischung aus Reflexionen über Bücher und das Lesen - „ein gutes Buch kann glücklich machen und hält jung“ – und dem Blick nach vorn, der Rezeption von Büchern in Zeiten von Algorithmen und Suchmaschinen. Am Ende zitierte sie Voltaire und deutete damit schon diskret auf die Wahl der Jury hin: „Die nützlichsten Bücher sind die, die den Leser dazu anregen, sie zu ergänzen.“

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

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