Wirtschaftsbuchpreis Shortlist: Der schwarze Juni Sinns Schonungslose Streitschrift

Brexit-Votum, Flüchtlingsdeal mit der Türkei, Anleihenkauf der EZB: Hans-Werner Sinn attestiert Europa in seinem Buch eine kritische Zeitenwende. Pflichtlektüre für jeden, der sich um Europa sorgt.
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Die Flüchtlingskrise ist nur eines der Symptome, an denen die Europäischen Integration leidet. Quelle: dpa
Schwere Zeiten für Europa

Die Flüchtlingskrise ist nur eines der Symptome, an denen die Europäischen Integration leidet.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Titel ist Programm: „Der schwarze Juni“ hat Hans-Werner Sinn sein Buch genannt. Er meint damit jenen Juni 2016, an dem Europa gleich drei Ereignisse erlebte, die für den Ökonomen eine Zeitenwende bedeuten:

das Brexit-Votum der Briten, die Billigung des umstrittenen Anleihenkaufs der Europäischen Zentralbank (EZB) durch das Bundesverfassungsgericht und nicht zuletzt das Türkei-Abkommen, das den Flüchtlingsströmen nach Europa Einhalt gebieten sollte, aber letztlich Deutschland nur erpressbar gemacht hat.

In der Tat: Wer wollte bestreiten, dass der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) einen empfindlichen Rückschlag für die europäische Integration bedeutet?

Wer wollte leugnen, dass der Umgang der Europäer mit den vielen Flüchtlingen uns allen auf traurige Weise vor Augen geführt hat, dass gemeinsames Handeln immer schwieriger ist und dass auch die Solidarität zwischen den Partnern vornehmlich in Sonntagsreden zum Ausdruck kommt.

Und wer wollte bezweifeln, dass die Eurokrise nur Symptom einer tiefen institutionellen Krise der EU ist. Ja, Sinn hat die drei großen Schwächen des Kontinents in diesem Buch aufgezeigt – schonungslos, analytisch scharf und untermauert mit einer beeindruckenden Vielfalt an Statistiken.

„... dann ist das nicht mein Land.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 31. August in Berlin
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„Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das. Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.“

Angela Merkel in der „Rheinischen Post“ am 10. September
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„Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte kennt keine Obergrenze. Das gilt auch für die Flüchtlinge, die aus der Hölle eines Bürgerkriegs zu uns kommen.“

CSU-Chef Horst Seehofer im „Spiegel“ am 11. September zum Entschluss Merkels, Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland kommen zu lassen
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„Das war ein Fehler, der uns noch lange beschäftigen wird. Ich sehe keine Möglichkeit, den Stöpsel wieder auf die Flasche zu kriegen.“

Merkel am 15. September in Berlin
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„Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am 6. Oktober
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„Die Bundeskanzlerin hat ja nicht gesagt: Wir schaffen das mit links.“

Auf einem Plakat von CDU-Mitglieder am 14. Oktober bei einem Regionalkongress der CDU im nordsächsischen Schkeuditz
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„Flüchtlingschaos stoppen - Deutsche Kultur + Werte erhalten - Merkel entthronen“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der „Welt“ am 19. Oktober
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„Die Flüchtlingskrise ist die größte Herausforderung, vor der Deutschland je stand. Größer als die Wiedervereinigung. Damals trafen Menschen aufeinander, die alle Deutsch sprachen und einen ähnlichen kulturellen Hintergrund hatten. Das ist heute anders.“

Gewidmet hat der ehemalige Präsident des Münchener Ifo-Instituts das Buch dem „Bürger Europas“. Das klingt staatstragend – und tatsächlich kann man „Der Schwarze Juni“ als wirtschaftspolitisches Vermächtnis des mittlerweile 69-Jährigen bezeichnen.

Als Chef des Ifo-Instituts hat er die wirtschaftspolitische Debatte des Landes geprägt wie kaum ein anderer Ökonom. Nicht selten waren seine Beiträge umstritten, manchmal waren sie provozierend, ja polemisch. Aber immer waren sie ökonomisch fundiert.

So auch dieses Buch - selbst wenn man insbesondere seine politischen Schlussfolgerungen nicht teilen muss.

Wenn Sinn etwa behauptet, dass Angela Merkels „Willkommenskultur“ mitverantwortlich für den Flüchtlingsansturm sei und dass die Bilder der ankommenden Menschenmassen auch zum überraschenden Brexit-Votum der Briten geführt hätten.

Sinn ist kein Fatalist
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