Wirtschaftsbuchpreis
UBS-Crash: Wie eine Großbank Milliarden verspielte

In seinem Buch „Der UBS-Crash. Wie eine Großbank Milliarden verspielte“ beschäftigt sich der Züricher Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig mit dem Absturz einer Ikone der Schweiz. Das Buch ist vor allem wegen seiner umfangreich belegten These interessant, die UBS sei sehenden Auges in die Krise geschlittert.
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FRANKFURT. Die UBS – sie war eine Ikone der Schweiz. Die Betonung liegt auf „war“. Denn die Ikone ist mit vielen Mäusen und einigen Mannen untergegangen. Sie hat das ganze Land in Mitleidenschaft gezogen: finanziell, weil die Nationalbank mit Geld des Steuerzahlers zur Hilfe eilen musste, was bei einer großen Bank in einem kleinen Land ein Kraftakt ist. Und ideell, weil die UBS eine Marke war, mit der sich die Schweiz identifiziert hat. Die Eidgenossen waren stolz auf ihre UBS, und der Rest der Welt schaute neidisch auf diese scheinbare Paradebank.

Heute ist die Bank nicht nur finanziell angeschlagen, sondern sie gilt auch als abschreckendes Beispiel für den Umgang von Schweizer Geldhäusern mit schwarzem Geld. Sie hat das ganze Land in eine Sinnkrise gestürzt, seit sie auf Druck der USA ein Tabu brechen musste und vertrauliche Kundendaten an US-Behörden weitergab. Zu beschreiben, wie diese einst stolze Bank von wem vor die Wand gefahren wurde, ist also eine interessante Sache. Der Züricher Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig hat sich ihrer angenommen.

Herausgekommen ist die Beschreibung des „UBS-Crashs“ (Hoffman und Campe). Sie ist vor allem wegen ihrer umfangreich belegten These interessant: Die UBS ist nicht einfach in den Strudel der Finanzkrise gerutscht und darin fast ertrunken. Sie hat sich sehenden Auges in eine beinahe ausweglose Situation manövriert. Hässig belegt anhand von Dokumenten, die bis 2002 zurückreichen, dass es innerhalb der Bank schon damals Stimmen gab, die vor dem Risiko von unübersichtlichen Engagements im US-Hypothekenmarkt warnten. Er zeichnet nach, wie die Warner innerhalb der Bank mundtot gemacht wurden. Wie die Gier größer war als das Bewusstsein für Gefahren und Verantwortung, das Banker haben müssen, die mit ihnen anvertrauten Vermögen handeln. Er belegt auch, dass das Problem der Steuerunehrlichkeit ihrer Kunden früh von der Bank intern selbst als Gefahrenquelle identifiziert worden war. Er beschreibt das Versagen des Managements: Es hat viel zu spät und auch dann viel zu langsam gehandelt. UBS-Präsident Marcel Ospel gehörte zu den letzten Dinosauriern der Bankerszene, der sein Versagen eingestand und im April 2008 schließlich abdankte. Deswegen lohnt es sich, dieses Buch in die Hand zu nehmen.

Was nervt, ist die Ich-Form. Es ist immer wieder die Person Lukas Hässig, die in Sitzungszimmer hineinkommt, Interviews führt und Dokumente studiert. Das funktioniert in einem Roman, in dem der Leser an der Gefühlswelt des Ich-Erzählers teilnehmen soll. In einem Sachbuch hat diese Darstellungsform aber definitiv nichts verloren. Die Stilform führt zu der Frage, warum Journalisten immer wieder Bücher schreiben, die im Grunde genommen nichts anderes sind als zu lang geratene Artikel. Wahrscheinlich, weil sie immer gern die Ersten sein wollen. Ein echtes Sachbuch braucht Zeit und keinen Spannungsbogen, es lebt von der facettenreichen Darstellung des Themas. Dazu ist Hässigs Buch zu persönlich gefärbt. Also ist es ein Buch zum Blättern. Für Historiker und Romanciers, die sich des Falls der UBS annehmen wollen, bleibt damit noch genügend zu tun.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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