Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2013
Der Blick nach vorn

Das Handelsblatt, die Frankfurter Buchmesse und Goldman Sachs präsentieren die Finalisten des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2013. Der Sieger wird im Oktober prämiert.
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DüsseldorfViel gestöhnt wird in diesem Sommer. Über Stillstand, Lethargie, Veränderungsresistenz und Risikoscheu in Deutschland wird debattiert und geschrieben. Von einer „chronischen Duldungsstimmung“ vor der Wahl spricht der Philosoph Peter Sloterdijk. Dazu kommen fehlender Gründergeist und besorgte Blicke auf die schwache Weltwirtschaft. Schaut man genauer hin, stecken dahinter diffuse Ängste vor den Auswirkungen der Schuldenkrise auf den eigenen Wohlstand. Kann der gehalten werden oder schwappt da was Gefährliches über aus dem armen Süden?

Es fehlt der Blick nach vorn. Den kann ein Perspektivwechsel bringen. „Die Schwierigkeit ist nicht neue Ideen zu finden, sondern den alten zu entkommen“, hat John Maynard Keynes geschrieben. Der Blick auf die Wirtschaftsbücher, die in den vergangenen zwölf Monaten in Deutschland erschienen sind, zeigt ein ganz anderes Land: darin geht es um Innovation statt Lethargie und um geistige Beweglichkeit statt Stillstand.

Zehn Bücher haben es auf die Shortlist für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis geschafft, eines davon wird den mit 10.000 Euro dotierten Preis gewinnen, der im Oktober im Rahmen der Buchmesse in Frankfurt verliehen wird. Alle Finalisten haben eines gemeinsam: eine Idee, eine Vision, eine klare Analyse und eine klare Sprache.

Natürlich beherrscht die Krise auch im fünften Jahr nach dem Lehman-Crash den Buchmarkt. Waren aber in den ersten Krisenjahren Reportagen aus den USA und erste Analysen des großen Bebens die Bestseller, so dominieren jetzt Lösungsmöglichkeiten in alle Richtungen die Wirtschaftspublizistik. Reicht es nicht mit dem Wachstumsstreben? Brauchen wir mehr soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft? Ist unser Wohlstand in Gefahr? Was muss sich bei den Banken ändern? Das sind die Debatten-Themen des Jahres.

2013 haben sich viele Verlage mit überdurchschnittlich guten Büchern am Wettbewerb um das beste Wirtschaftsbuch beteiligt. Positiv hat sich die Möglichkeit ausgewirkt, dass auch CEOs und Juroren Titel vorschlagen können. Und: Unter den Einsendungen waren etliche Fahnen von Büchern, die in den kommenden Wochen vor der Buchmesse ganz frisch erscheinen. Eine hochkarätig zusammengesetzte Jury unter dem Vorsitz von Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart bestimmt das Siegerbuch. Die Preisverleihung ist im Rahmen eines festlichen Abends in Frankfurt am 10. Oktober - in der Buchmessen-Woche. Bei einer Diskussionsveranstaltung auf der Messe präsentiert das Handelsblatt die zehn Shortlist-Autoren und ihre Bücher.

Die drei Initiatoren des Preises, das Handelsblatt, die Frankfurter Buchmesse und die Investmentbank Goldman Sachs, wollen die Bedeutung des Wirtschaftsbuchs bei der Vermittlung ökonomischer Zusammenhänge unterstreichen. Das Motto lautet deshalb „Wirtschaft verstehen“.

Was muss sich ändern in der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft und bei den Banken - darum geht es in den Büchern von Colin Crouch, Martin Hellwig/Anat Admati, Robert und Edward Skidelsky und Daniel Zimmer. Eine profunde Analyse der Krise und eine ungewöhnliche Rückschau mit dem Blick nach vorn liefern John Lanchester, Frank Riedel und Georg von Wallwitz. Neue Ansätze - zum Umgang mit Risiken, Innovationen und last but not least dem Ende der Männerdomäne in der Ökonomie kommen von Nassim Nicholas Taleb, Gunter Dueck und dem Autorenduo Uwe Jean Heuser und Deborah Steinborn.

Die Shortlist 2013: Zehn empfehlenswerte Bücher gegen Stillstand und Lethargie, oder wie der Frankfurter Soziologie-Professor Sighard Neckel sagt: „Die Utopie beginnt jetzt“.

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

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