Laudatio zum Wirtschaftsbuchpreis: „Ein großes Buch über einen großen Mann“

Laudatio zum Wirtschaftsbuchpreis
„Ein großes Buch über einen großen Mann“

Joachim Käppner hat den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2011 gewonnen. Mit großer Erzählkunst hebt der Autor die herausragenden Qualitäten des Unternehmers Berthold Beitz hervor, urteilt der Jury-Vorsitzende Gabor Steingart. Eine Kurzfassung seiner Laudatio.
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„Die Wahl war keine Qual, aber wir hatten Auswahl: Das Jahr 2011 hat qualitativ hochwertige Wirtschaftsbücher hervorgebracht; auch solche, die die Zeitläufte überdauern werden. Das von Michael Hüther etwa, dem Präsidenten des Instituts der deutschen Wirtschaft. Er hat mit „Die disziplinierte Freiheit“ eine Neubegründung der Ordnungspolitik vorgelegt, die auch eine Nachjustierung ist. Oder das von Ulrich Schäfer, Ressortleiter bei der „Süddeutschen Zeitung“, der uns damit beeindruckte, dass und wie er sich in „Der Angriff“ dem Thema des Terrornetzwerkes El Kaida genähert hat.

Doch es gab ein Buch, das ragte doppelt heraus, das beeindruckte die Jury in zweifacher Hinsicht.

Erstens: Es ist über das Normalmaß hinaus exzellent recherchiert und geschrieben. Es ist Handwerk an der Grenze zur Handwerkskunst. Wobei die Kunstfertigkeit, von der hier die Rede ist, vor allem Erzählkunst ist. Der Autor, den es hier zu ehren gilt, weiß, wie man Geschichte erzählt; nicht nur mit Anekdoten, Fakten, Zitaten, die sich wie die Perlen einer Perlenkette abwechseln. Sondern mit einem Ton, dem Ton des Zurückgenommenen, nicht des Jublers, dem Ton der Würde, dem Ton des Biografen eben. Der Wirtschaftsbuchpreis 2011 geht an Joachim Käppner, Historiker und Journalist der „Süddeutschen Zeitung“. Er ist der Verfasser des Werkes „Berthold Beitz. Die Biographie“, 621 Seiten stark.


Und damit ist auch schon der zweite Grund benannt, warum dieses Buch herausragt: weil Beitz herausragt! Berthold Beitz, der so vieles war und ist: Menschenfreund und Menschenretter, Jung-Manager, zunächst revier- und branchenfremd, dann aber schnell als Aufsteiger auch an Rhein und Ruhr akzeptiert, ein Stahlbaron der besonderen, der modernen, der freiheitlichen Art, ein Nachkriegs-Kruppianer, ein Mann von hoher sozialer und ethischer Gesinnung. Vater zwei nennt ihn Arndt von Bohlen und Halbach.

Doch das Leben der Villa Hügel nimmt keine Rücksicht auf die Empfindsamkeiten des jungen Krupps. Härte, schreibt Käppner, war gefragt. Arndt aber war alles - klug und mitfühlend, wachsam und begabt -, nur hart war er nicht. Beitz überzeugt den jungen Krupp vom Erbverzicht - und wird selbst der erste Kruppianer, der diesen Namen nicht trägt.

Käppner erzählt vordergründig die Geschichte eines Mannes, aber in Wahrheit die Geschichte der deutschen Kriegs- und Nachkriegszeit. Und ein Buch über ewige Werte in der Wirtschaft ist es auch. Man wünscht sich nicht die Herausforderungen des Beitz'schen Lebens, das als Leben und Arbeiten unter Gewaltherrschaft begann. Aber wenn man dieses Leben zu leben hätte, wünscht man sich die moralische Größe eines Berthold Beitz. Er war und ist vor allem eines: Vorbild. Käppners Buch ist daher doppelt wertvoll - ein großes Buch über einen großen Mann.“

Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts.

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