Rezension Alec Ross
Eine Dosis Optimismus

Der Politikberater Alec Ross skizziert schwungvoll eine goldene Zukunft für die Menschheit dank Robotern, Gentechnik und Digitalisierung. Naiver Fortschrittsglaube ist seine Sache aber nicht.

DüsseldorfIn der westlichen Welt gewinnen gerade Zukunftsangst und rückwärtsgewandter Populismus immer mehr Anhänger - doch davon lässt sich Alec Ross nicht beeindrucken. Der charmante und eloquente Innovationsexperte nimmt den Leser mit auf eine Tour d'Horizon durch die Industrien der Zukunft. Sein Buch "Die Wirtschaftswelt der Zukunft" ist ein Plädoyer für Offenheit und Mut angesichts rascher technologischer Umwälzungen, die immer mehr Menschen vor allem als bedrohlich empfinden.

Dabei kommt dem 44-jährigen Historiker Ross seine Karriere in der Politikberatung zugute. Er formulierte für Barack Obama in dessen erstem Präsidentschafts-Wahlkampf einen Technologie- und Innovationsplan und beriet später Außenministerin Hillary Clinton in Technologiefragen. Hier ging es unter anderem darum, wie politische Bewegungen etwa im "arabischen Frühling" das Internet und soziale Netzwerke nutzen können. Heute lehrt Ross an der Johns Hopkins University in Washington.

Als Zukunftsindustrie sieht er unter anderem die Robotik. Maschinen werden nach seiner Ansicht im kommenden Jahrzehnt nicht nur in Fabriken eine immer größere Rolle spielen, sondern auch im Haushalt helfen, alte Menschen pflegen, Operationen durchführen, Kinder unterrichten, Autos fahren, Pakete ausliefern und vieles andere mehr. Asiatische Länder sieht Ross im Vorteil, weil sie weniger kulturelle Vorbehalte als westliche Länder gegen den Einsatz von Robotern in sozialen Berufen hätten.

Eine weitere Zukunftsindustrie ist für Ross die Gentechnik. Sie werde sich in den nächsten 20 Jahren dank der Fortschritte in der Forschung in eine Billionen-Dollar-Industrie wandeln, zahlreiche Krankheiten ausrotten und die Lebenserwartung der Menschen deutlich verlängern.

Große Umwälzungen sagt Ross auch in der Finanz- und Dienstleistungsbranche voraus. Die Digitalisierung des Geldes und des Vertrauens werde nicht nur das Bankenwesen auf den Kopf stellen. Entwicklungen wie die Blockchain-Technologie und das Aufkommen der Sharing-Economy werden nach seiner Einschätzung das Verhältnis zwischen Unternehmen, Bürgern und der Regierung ganz neu definieren. Intermediäre wie Broker, Makler oder Anwälte und traditionelle Autoritäten würden nach und nach durch Software ersetzt.

Als Rohstoff für die Wirtschaftswelt der Zukunft sieht Ross - wenig überraschend - Daten. Von Maschinen ausgeführte Big-Data-Analysen würden Unternehmen und Regierungen bessere Entscheidungsgrundlagen bieten, als sie je gehabt hätten. Es komme allerdings darauf an, dass die Menschen das letzte Wort behielten, warnt er zugleich.

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