Shortlist Wirtschaftsbuchpreis
Sparen gegen die Krise

Die Finanz-Insider Norbert Walter und Jörn Quitzau haben den Glauben an die eigene Branche verloren. Die Märkte beurteilten die Lage übertrieben negativ. In ihrem neuen Buch plädieren sie für solidere Staatshaushalte.
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Die Euro-Krise als Teil der Finanzkrise, das ist das Thema des Buchs von Norbert Walter und Jörn Quitzau. Die beiden setzen an bei Stimmungen und Meinungen, die derzeit oft zu hören sind: Die Probleme der Euro-Schuldenkrise würden nicht wirklich gelöst, sondern lediglich verschoben, der Staat, vor allem der deutsche, übernehme sich finanziell, und letzten Endes laufe alles auf einen großen Inflationsschub hinaus.

Damit startet das Buch, und es endet mit klaren Empfehlungen für die Überwindung dieser Krise. Die fallen ganz anders aus als die gängigen, populären Rezepte wie ein Schuldenschnitt oder gar ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion.

Walter und Quitzau holen weit aus, ehe sie zu ihren Schlussfolgerungen kommen. Sie bieten den Lesern eine gründliche Analyse der Ursachen und Abläufe der großen Finanzkrise, bei der sie auch fundamentale Thesen vieler Ökonomen wie die von der Effizienz der Finanzmärkte angreifen, die angeblich jederzeit alle Informationen perfekt verarbeiten. Es ist nicht ohne Ironie, dass zwei so eng mit der Finanzwelt verbundene Autoren an der Weisheit der Finanzmärkte zweifeln: Walter war lange Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Quitzau arbeitet bei der Berenberg Bank.

Die beiden geben zu bedenken, dass die Märkte sich mit Blick auf die Euro-Schuldenstaaten möglicherweise schon wieder irren: Früher hätten sie über die Problem hinweggesehen, heute ignorierten sie die Sanierungsbemühungen, stellten die Lage übertrieben negativ dar und verschärften damit die Krise. Detailliert befassen die Autoren sich mit den Bemühungen zur Stützung der gemeinsamen europäischen Währung. Dieses Thema intonieren sie sehr kritisch: Es komme immer häufiger zu Verstößen gegen den Grundsatz, dass der Staat lediglich einen verlässlichen Ordnungsrahmen setzen und nicht selber in das Spiel eingreifen solle, zudem seien öfter die Regeln geändert worden: „Manche dieser Regeländerungen sind von so großer Bedeutung, dass sie den Charakter des Spiels auf den Kopf stellen. Das Bail-out-Verbot war für die Euro-Zone ungefähr so prägend wie beim Fußball das Verbot des Handspiels.“

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