Wirtschaftsbuchpreis Shortlist
Alles auf Anfang: „Ein neuer Euro muss her“

Drei EZB-Kenner glauben: In seiner bisherigen Form ist der Euro gescheitert. Zum Glück liefern sie auch gleich die passende Therapie.
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FrankfurtDer Euro ist gescheitert, lautet die Diagnose dreier Autoren. Zum Glück liefern sie auch gleich die passende Therapie. Mario Draghi lässt sich Zeit. Viel Zeit. Genau das ist das Problem. Zumindest aus Sicht von Nicolaus Heinen, Jan Mallien und Florian Toncar.

Immer wieder, kritisieren die Autoren, verschiebt der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik und kauft den Euro-Staaten so Zeit, ihre Wirtschaftskrisen zu bewältigen. Das kaschiere die Probleme der Euro-Zone, löse sie aber nicht, schreiben sie in ihrem Buch „Alles auf Anfang“.

Ihre bittere Erkenntnis: „In seiner bisherigen Form ist der Euro gescheitert.“ Das Autorentrio verfolgt die Politik der EZB aus unterschiedlichen Perspektiven: Heinen als Ökonom, Mallien als Handelsblatt-Redakteur und Toncar als Rechtsanwalt. Sie eint der Gedanke: „Ein neuer Euro muss her.“ Zum Glück halten sie die Lagebeschreibung knapp.

Lieber liefern sie ein detailreiches Konzept für eine „Nachkrisenwährungsunion“ . Denn woran die Euro-Zone krankt, ist einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Nach der Euro-Einführung fielen im vergangenen Jahrzehnt die Zinsen für die Schuldenaufnahme. In der Folge überschuldeten sich etliche Euro-Länder und standen zwischen 2010 und 2012 vor der Pleite. Die EZB sprang ein, um sie und die Währung zu retten. Sie tat, was sie aus deutscher Sicht niemals tun sollte.

Sie kaufte Staatsanleihen auf, anders ausgedrückt: Sie warf die Notenpresse an. So konnte sie die Euro-Zone zwar vorerst stabilisieren. Die Konstruktionsfehler seien aber geblieben. „Das abnehmende Vertrauen in die europäischen Institutionen zeigt, dass immer mehr Bürger, Investoren und Unternehmen die fundamentalen Schwächen der Währungsunion erkennen“, heißt es im Buch.

Für den nötigen Neustart haben die Autoren einen Dreischritt im Sinn: Als Erstes solle jeder Staat wieder selbst für seine Schulden haften. Um eine erneute Überschuldung zu verhindern, wollen die Autoren aber nicht einfach zur „Maastricht-Union“ der Anfangszeit zurückkehren. Auch ein Mehr an europäischem Zentralismus sei nicht die Lösung.

Sie schlagen Reformen in der Finanzpolitik vor, die eher auf die nationale Ebene abzielen: Stresstests analog zu den Banken auch für Staaten, Aufsicht der nationalen Haushalte durch den Euro-Rettungsfonds ESM, freiwillige nationale Sparvorgaben und Bestrafung von Staaten mit zu hohen Schulden durch die Pflichtausgabe nachrangiger Schuldpapiere. Gerät trotz dieser Vorkehrungen ein Euro-Land in finanzielle Notlage, soll sich die Laufzeit seiner Schuldpapiere automatisch um drei Jahre verlängern.

Seite 1:

Alles auf Anfang: „Ein neuer Euro muss her“

Seite 2:

„Die EZB ist zu mächtig“

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