Wirtschaftsroman
Borgward erwacht zu neuem Leben

Der Journalist Andreas Berse hat einen Wirtschaftsroman geschrieben, der kontrafaktisch in die Gegenwart fortspinnt, was 1961 mit dem Konkurs der Borgward-Automobilwerke endete.

DÜSSELDORF. Wirtschaftsbücher sind oft schwer verdauliche Kost. Umso erfreulicher, wenn ein ökonomisches Thema mit leichter Hand geschrieben ist. Der Journalist Andreas Berse hat das mit "Borgward lebt" geschafft: Er legt kein faktenschweres Fachbuch vor, sondern einen Roman.

Was wäre passiert, wenn das Bremer Automobilunternehmen Borgward 1961 nicht spektakulär Pleite gemacht, sondern mit etwas Glück überlebt hätte? Diese Frage stellt sich Berse. Es wäre heute wahrscheinlich ein respektables Unternehmen, das sich mit VW, Mercedes und BMW messen lassen könnte, davon ist Berse in seinem Buch überzeugt.

Dass Glanz und Elend bei deutschen Automobilherstellern dicht beieinander liegen, wird oft vergessen. Wer denkt noch an die Krise bei Porsche? Anfang der 90er-Jahre stand die Stuttgarter Sportwagenschmiede vor dem Aus. Mit etwas weniger Glück wäre es den Schwaben wie 30 Jahre zuvor den Bremer Kollegen ergangen. Insofern sind die Gedankenspiele über Borgward also durchaus erlaubt.

"Borgward lebt" ist ein Spaßbuch, kein großes literarisches Werk. Aber es macht Freude, über das fiktive Unternehmen Borgward zu lesen. Über einen Konzernchef, der sich mit neuen Design- und Technikideen der Attacken aus Wolfsburg und Stuttgart zu wehren weiß.

Autojournalist Berse erzählt auch von den Medien und ihrem Umgang mit Unternehmen. Held des Buches ist ein Reporter namens Axel Bauer, der einem gestohlenen Borgward-Prototyp auf der Spur ist. Der kühl berechnende Rechercheur kämpft als einsamer Wolf für das Gute. Das ist allerdings etwas übertrieben und entrückt von der Realität im Mediengewerbe.

Den einen oder anderen Bezug zum echten Leben schafft Berse trotzdem: Etwa bei der Frage, wie viel Nähe sich ein Journalist zu einem Unternehmen erlauben darf und wie viel Distanz für eine kritische Berichterstattung von Nöten ist.

Übrigens: Es gibt dann noch einen sehr konkreten Bezug zur Realität. Eine Investorengruppe um Gründerenkel Christian Borgward plant die Wiederbelebung der Marke. Wenn diese Gruppe Erfolg hat, könnten in wenigen Jahren wieder Borgward-Autos über Deutschlands und anderer Länder Straßen rollen. Und dann wäre aus dem Roman fast schon ein Sachbuch geworden.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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