"Wölfe" von Hilary Mantel
So gerissen wie ein Sack Nattern

Ein historischer Roman, die Geschichte alles andere als unbekannt, eine bisher unbekannte Autorin – und dennoch muss man ihn gelesen haben. „Wölfe“ von Hilary Mantel war unbestritten eines der großen Highlights der Frankfurter Buchmesse an diesem Wochenende. Die preisgekrönte Geschichte von Henry VIII und Thomas Cromwell erfindet das Genre des historischen Romans neu.
  • 0

FRANKFURT. Die Frankfurter Buchmesse ist vorbei und wer dort war, muss Bekannten die übliche Frage beantworten: Welche Bücher sind dir ins Auge gefallen? Eines der meistgenannten dürfte ein auf den ersten Blick äußerst unscheinbares Werk einer in Deutschland bisher praktisch unbekannten Autorin sein: „Wölfe“ von Hilary Mantel.

Der Stand des Dumont-Verlages schimmerte blutrot. Das Cover des Buches prangert metergroß über den Köpfen der Besucher. Ein historischer Roman aus dem England des 16. Jahrhunderts. Ein Stoff, der gerade in den vergangenen Jahren mehrfach in Bilder gepresst worden ist. Und dennoch ist „Wölfe“ den größten Werbe-Aufwand wert, es ist ein beeindruckendes Buch, das das Genre des historischen Romans zu alter Blüte bringt.

Es geht um Thomas Cromwell und die Geschichte von Henry VIII. Da klingelt es: Dieses Thema wurde nicht zuletzt in „Die Tudors“ behandelt, einer epochalen BBC-Serie, deren zweite Staffel in Deutschland gerade bei Arte gezeigt wurde. Wer es mit Hollywood hält, mag sich an den Streifen „Die Schwester der Königin“ erinnern, in dem Natalie Portman und Scarlett Johansson um die Gunst Henrys werben.

Bei Hilary Mantel geht es nur bedingt um große Gefühle. Das mag damit zu tun haben, dass sie in der historischen Wirklichkeit auch nicht die allergrößte Rolle gespielt haben. Es geht um Macht und Machterhalt. Mantel beschreibt mit enormer Präzision, wie es Thomas Cromwell schaffte, vom einfachen Jungen zum mächtigsten Mann hinter dem König zu werden.

Cromwell wird als Kind von seinem Alkoholiker-Vater immer wieder verprügelt. Er erträgt es, bis seine älteren Schwestern verheiratet und aus dem Haus sind, dann haut er mit 15 Jahren ab. An dieser Stelle gibt es beträchtlichen Zeitsprung. Eine Buchseite später ist es 30 Jahre später und Cromwell ein angesehener und reicher Anwalt in London. Und vor allem ist er Berater des Lordkanzlers, dem zweitwichtigsten Mann im Staat hinter dem König Henry VIII.

Seite 1:

So gerissen wie ein Sack Nattern

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " "Wölfe" von Hilary Mantel: So gerissen wie ein Sack Nattern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%