„Wohlstand durch Globalisierung“
Lobbyist im Dienste der Globalisierung

Armut in den Entwicklungsländern, Probleme der Sozialsysteme in den Industrieländern, Arbeitslosigkeit und Umweltzerstörung – schuld ist die Globalisierung. In Zeiten, in denen es schick ist, Globalisierungsgegner zu sein, wagt sich der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Apolte an ein Plädoyer für selbige.

DÜSSELDORF. In „Wohlstand durch Globalisierung“ beschreibt Thomas Apolte, warum wir offene Grenzen brauchen. Damit stellt Apolte sich der Gefahr, die vermeintliche Wurzel allen gesellschaftlichen Übels auf nahezu ignorante Weise schönzureden. Doch das tut er mit Geschick: Am Anfang steht die Bitte, das Buch erst zu lesen und dann ein Urteil zu fällen. Im Gegenzug habe er sich „bemüht, das Buch kurzweilig zu schreiben – aber auch provokativ“. Apolte holt den Leser bei seiner Skepsis ab und versucht, ihn Schritt für Schritt von seiner These zu überzeugen.

Dabei macht der Autor keinen Hehl daraus, dass die Globalisierung auch Probleme aufwirft – um im nächsten Schritt zu zeigen, dass Umweltzerstörung und Arbeitslosigkeit eigentlich andere Gründe haben. Apolte stört dabei die falsche Moral der Kritiker. Es nütze nichts, sich gegenseitig die rechte Moral abzusprechen – nur dann könne man sich auf die Frage konzentrieren, ob die Globalisierung rein sachlich betrachtet den gemeinsamen Zielen dienlich ist oder nicht. Dennoch lässt der Autor sich zu manchem Seitenhieb gegen die Kritiker hinreißen – dessen er sich auch bewusst ist und wofür er sich vorsichtshalber im Voraus entschuldigt.

Dem Leser, aber auch sich selbst gibt er einen Kriterienkatalog für eine menschenwürdige Gesellschaft an die Hand, der im Verlauf des Buches überprüft wird. Darin enthalten sind Zugang zu Nahrung, eine friedliche Weltordnung oder eine nachhaltige Umweltpolitik.

Das längste Kapitel über Handel, Reichtum und Armut ist zugleich das wichtigste. Hier untermauert Apolte seine These, dass die Globalisierung eine insgesamt glückliche Entwicklung ist – indem sie jedem Teilnehmer nützt und insgesamt den Wohlstand erhöht. Die Bürger selbst sind es, die die Globalisierung vorantreiben – indem sie billige Unterhaltungselektronik kaufen oder in internationalen Fast-Food-Restaurants essen. Globalisierung mehrt den Wettbewerb und untergräbt so die Marktposition von monopolistischen Unternehmen.

Der Wissenschaftler geizt nicht mit Vorteilen der zunehmenden internationalen Verflechtung. Woran es hapere, sei die Ausgestaltung; er bemängelt materielle Abhängigkeiten und mangelnden Reformwillen. Globale Lösungen seien nur dann sinnvoll, wenn es auch um globale Probleme gehe – etwa beim Klimawandel. Ein lokales Umweltproblem dagegen bedürfe keiner globalen Regelung. Hier müsse genügend Raum für flexible Handhabung sein.

Apolte hat kein klassisches wissenschaftliches Buch geschrieben, wie es von einem Universitätsprofessor zu erwarten gewesen wäre. Er versucht, den Leser nicht über empirische Untersuchungen, sondern mit plakativen Argumenten zu gewinnen. Immer wieder lädt er den Leser ein, aktiv nachzudenken. Sein Versprechen löst Apolte ein: Das Buch ist ein kurzweiliger – und provokativer – Lobgesang auf die Globalisierung, der bei aller Ideologie aber nicht unkritisch bleibt.

Thomas Apolte: Wohlstand durch Globalisierung

; Beck im dtv, 2006, 176 S.14 Euro

Claudia Schumacher
Claudia Schumacher
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%