Kultur + Kunstmarkt
Wolfgang Niedecken mit Werkschau in Bonn

Als Frontsänger und Texter der Kölner Rockband BAP hat Wolfgang Niedecken Karriere gemacht. Die Musik ließ ihm nicht viel Zeit für seine zweite Passion: die bildende Kunst. Einen Einblick in Niedeckens künstlerisches Schaffen gibt nun die Bonner Bundeskunsthalle.

dpa BONN. Als Frontsänger und Texter der Kölner Rockband BAP hat Wolfgang Niedecken Karriere gemacht. Die Musik ließ ihm nicht viel Zeit für seine zweite Passion: die bildende Kunst. Einen Einblick in Niedeckens künstlerisches Schaffen gibt nun die Bonner Bundeskunsthalle.

Unter dem Titel „Spuren“ sind bis zum 19. September ungewöhnliche Bilder, Collagen, Objekte und Installationen Niedeckens zu sehen, eine Auswahl aus zwei Jahrzehnten.

Die Einzelausstellung nimmt den Besucher mit auf Expeditionen in Erinnerungen und kleine Geschichten vom Alltag und Vergangenem. Wie seine kölschen Texte sind Niedeckens Werke dicht am Leben: „Bei der Musik wie bei der bildenden Kunst ist die sinnliche Erfahrung wichtig und Authentizität“, erklärt der 53-Jährige. In der Bonner Schau entfaltet sich seine Kunst wie ein Tagebuch und Erlebnisspeicher; Niedecken kombiniert vielfältiges Material wie Sand, Lack, Holz und Blech bis hin zu Asche, Eisenketten oder einem mächtigen Schiffstau.

Da dokumentieren 15 Kästen mit alten Zeitungen („Barricada“), Karten und Polaroid-Fotos einen Aufenthalt im Jahr 1987 im Nicaragua der Sandinisten („Liebe Inge, schöne Grüße II“). Die Serie „Politische Bilder“ (1997) sind Niedeckens stummer Kommentar mit Rost und eigenhändiger Sütterlin-Schrift zum abgehalfterten Kommunismus mit seinen ideologischen Ikonen Marx, Lenin, Engels oder Mao. Aus großen Entwürfen wurden politische Grabtafeln.

Eine besondere Geschichte erzählt die Arbeit „Flaschenpost“: Niedecken hat Briefe in Flaschen konserviert, die ihm Fans 1984 kistenweise aus der DDR schickten. Der Rockbarde hatte damals eine bereits ausverkaufte Tournee zu „Rock für den Frieden“ platzen lassen. „Die DDR-Führung wollte uns zensieren.“ In den Briefen sei er zu seiner Absage, die für viele Fans in der DDR auch bitter gewesen sei, beglückwünscht worden. „Da ist endlich mal einer, der sich nicht verbiegen lässt.“

Er verstehe seine Kunst als eine „Spurensicherung„, bei der er Eindrücke und aufgespürte Fundstücke auch aus anderen Ländern festhalte, erläuterte Niedecken. Daraus hat er eine Sammelleidenschaft entwickelt, deren Resultate er im Atelier bearbeitet. „Ich finde Sachen und denke: Das kannste gebrauchen.“ Das reicht von bunten Bonbonpapieren aus der Türkei, als Strandgut aufgelesenen farbigen Stöcken für Bootsbemalungen aus Griechenland oder abgelösten Zetteln für eine Kommunalwahl auf der philippinischen Insel Boracay.

Niedecken hat sein Handwerk gelernt. Von 1970 bis 1976 studierte er in Köln freie Malerei. Die sich abzeichnende Rock-Karriere des BAP- Gründungsvaters mit dem ersten Album 1979 drängte die andere Kunst zwangsläufig in den Hintergrund - er verbrachte seine Zeit auf Tourneebühnen und in Studios statt im Atelier. „Ich muss auch aufpassen, dass ich mich nicht verzettele“, sagt Niedecken. Ich will weder mit der Band noch als Künstler was abliefern, was nicht dem eigenen Anspruch standhält.“ Doch er hat bereits zahlreiche Ausstellungen in renommierten Kunsthallen und Galerien hinter sich. Und er erzielt auch schon mal Preise bis zu 20 000 €, wie er bestätigte.

Aufgestiegen zu den Meistern ist er mit der Schau in der Bundeskunsthalle aber nicht. Seine Werke werden im Treppenhaus präsentiert - außerhalb der großen Ausstellungen und Räumlichkeiten. „Die Idee dazu kam im Zusammenhang mit meinen Konzerten, die ich hier auf dem Museumsplatz schon seit Jahren gebe.“ Der nächste Open-Air- Auftritt dort folgt in Kürze - mit offener Tür für das Rockpublikum auch zur Kunst.

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