Wols
Expertenstreit vor Publikum

Wols-Kenner vertreten unterschiedliche Ansichten über falsche und echte Werke. Bei der Auktion des Wols-Nachlasses in Paris kam es zum Eklat.
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ParisMit einem lautstarken Zwischenfall begann am 15. Juni im Pariser Hôtel Drouot die Versteigerung von 162 Losen aus dem Nachlass des deutschen Künstlers Wols. (siehe Handelsblatt Online 9.6.2011) Der Pariser Gemälde-Experte Marc Ottavi stellte die Frage, warum früher als falsch bezeichnete Gemälde von Wols von den deutschen Experten der Wols-Auktion, dem Frankfurter Kunsthändler Ewald Rathke und seiner Frau Sylvia Rathke-Köhl, jetzt als authentisch angesehen und mit einem Gutachten ausgestattet seien. Mehrere Männerstimmen forderten die Annullierung der Auktion bis Auktionator Denis Antoine (Auktionshaus Aponem-Debureaux) und seine Kollegin Sophie Renard nervös um Ruhe baten und zu versteigern begannen.

Die Wols-Autorität erregt Zorn

Wie Ottavi dem Handelsblatt gegenüber erklärte, besitzt er mehrere Papierarbeiten von Wols (1913-1951), die Ewald Rathke als Fälschungen einstufte. Philipp Gutbrod, der über die Papierarbeiten von Wols 2003 eine Dissertation geschrieben hatte, sah sie jedoch als authentisch an. Er stützte sich dabei auf die Klassifizierung Werner Haftmanns, der das Werk von Wols in den 1970er Jahren in authentische, fragliche und gefälschte Werkgruppen unterteilt hatte.

Ewald Rathke seinerseits wies dem Handelsblatt gegenüber darauf hin, dass Gutbrod den „Anspruch“ Rathkes kritisierte, die „weltweite Autorität“ für das Werk von Wols zu sein. Im Klartext heißt das, dass die Wols-Blätter, die Ottavi besitzt, ohne Rathkes Expertise unverkäuflich sind. Daher sein Zorn und sein Versprecher, denn er erwähnte die „Gemälde“, nicht die Papierarbeiten.

Grety Wols passte nicht auf

Da die bei der Pariser Auktion angebotenen Wols-Werke direkt aus dem Nachlass von Grety Wols, der Witwe des Künstlers, beziehungsweise deren drittem Mann und Erben Marc Johannès sowie dessen Erben stammen, bezieht sich Experte Ottavi offensichtlich auf andere Wols-Werkgruppen als das in Paris versteigerte Konvolut. Er nahm die Auktion zum Anlass, um seinen Groll gegen seinen Experten-Kollegen Rathke öffentlich kundzutun.

Ewald Rathke weist allerdings darauf hin, dass Grety Wols ab 1959 authentische und gefälschte Werke von Wols vermischte und Fälschungen in den Handel einschleuste. Wer der Fälscher war, habe er, Rathke, nie herausgefunden. Er halte es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Fälschungen von Grety Wols stammen. Rathke kaufte selbst in der Pariser Auktion mehrere Lose, u.a. die graue Gouache „Nébuleuse grise“ für 104.557 Euro, den sechsthöchsten Zuschlag der Sitzung.

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