Woody Allen
Der junge, alte Herr

Der Mann weiß zu differenzieren. „Es gibt nur tragisch und sehr tragisch. Und die tragischsten Fälle sind die, die ständig Witze machen, weil ihnen der Humor über die Erkenntnis hinweghilft, wie tief sie in einem Grauen erregenden Schicksal stecken.“

HB BERLIN. Lachend fügt Woody Allen hinzu, er sei einer der tragischsten Menschen. Selten hat er sein Wesen so klar auf den Punkt gebracht. Gestern ist der Grandseigneur des amerikanischen Films 70 Jahre alt geworden.

Allen mag die Gondeln und Venedig ganz besonders. Seine jährliche Europareise lässt er hier immer wieder ausklingen.

Das tut seiner Liebe zu New York natürlich keinen Abbruch. In seiner Heimatstadt zählt er schließlich seit Jahrzehnten zu den Sehenswürdigkeiten. Lange vor dem psychotischen Manhattan-Einkaufsbummel „Sex and the City“ war er der einzig wahre Großstadtneurotiker, Typ intellektueller Schwerenöter. Er hat die Suche nach dem Sinn des Lebens zur mal albernen, mal schüchternen und manchmal zynischen Komödie gemacht.

Die Psychoanalyse erhob er zum selbstironischen Pflichtprogramm für den kulturbewussten Großstädter. Sich selbst legte Allen in Film und Leben immer wieder auf die Couch.

„Ich war viele Jahre in Analyse, und es hat mir etwas geholfen.“ So lautet sein spätes therapeutisches Fazit. Allen schaut unbeholfen auf seine Hände. Das „etwas“ gilt für ihn „aber nur im Verhältnis zu extrem vielen Analysestunden. Doch als ich damit anfing, dachte ich, dass es mir sehr viel mehr helfen würde“.

In seinem Lebenslauf wird seine erste Sitzung beim Psychoanalytiker auf 1959 datiert. Und genau zu dieser Zeit beginnt er auch, Karriere zu machen. Im komischen Spiel mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten: klein, nervös, schmächtig, Brillenträger. Hektische Unsicherheit in seinen Formulierungen, hier ein „Äh“, dort ein kurzes Ringen nach Worten.

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