Yacht-Sport
Segeln und segeln lassen

Schon eine Yacht gilt als luxuriöses Hobby. Doch wer es exklusiver mag, leistet sich die Teilnahme an einer Regatta für historische Schiffe. Wie bei der "Régates Royales" in der Bucht von Cannes, bei der 80 historische und traditionelle Yachten um die Wette fahren.
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CANNES. Der Wind drückt die "Tioga" leicht zur Seite. Mit gut acht Knoten rauscht die mehr als 20 Meter lange Segelyacht über das Meer. Peter Tess hat hinten im Cockpit das hölzerne Steuerrad fest in der Hand und macht ein finsteres Gesicht. Denn an der nächsten Wendemarke drängeln sich schon zwei weitere große Yachten.

Doch die "Karenita" fährt einen zu weiten Bogen lässt daher Platz zwischen ihrem langen weißen Rumpf und der gelben Wendetonne. In diese Lücke stößt Bootseigentümer Tess seine Tioga hinein und brüllt "Wende!". Die fünfköpfige Crew des Mittsechzigers kurbelt an Winschen und zieht an den Schoten, um die Segel schnell in die richtige Position zu bringen. Aber die Karenita kommt dem alten Holzschiff immer näher, nur wenige Meter trennen die beiden Traditionsyachten. Die Karenita muss beidrehen, um eine Kollision zu verhindern. Die Mannschaft ist sauer. "Protest, Protest", brüllt ein bärtiges Crewmitglied mit italienischem Akzent und wedelt aufgeregt mit einer lila Fahne. "Was willst Du denn mit Protest, ich bin innen und hab Vorrang", schnauzt Tess zurück.

Die "Panerai Classic Yachts Challenge" ist ein Treffpunkt von historischen Segelyachten, die zum Teil hundert Jahre alt sind. Einige der Boote haben in den 30er-Jahren um den America?s Cup gekämpft, dem bedeutendsten Segelwettbewerb der Welt. Sie sind liebevoll restauriert und zweistellige Millionenbeträge wert. Doch das Yacht-Treffen ist eben auch eine Regatta. Und vor allem die Boote, bei denen der Eigner noch selbst die Kommandos brüllt, sorgen dafür, dass aus dem Rennen keine Kaffeefahrt wird.

Rund 80 historische und traditionelle Yachten fahren in der Bucht von Cannes in der "Régates Royales" um die Wette, einer von sieben Wettfahrten der "Panerai Classic". Es herrscht eine Klassengesellschaft: Es gibt die sündhaft teuren Segel-Oldtimer wie "Shamrock V". Der irische Tee-Magnat Sir Thomas Lipton ließ die Rennyacht 1930 nur fertigen, um endlich den America?s Cup zu gewinnen - was nicht gelang. Heute gehört das Boot einem Bankier, der sein Schmuckstück von einer Profi-Crew fahren lässt. Auf der anderen Seite gibt es die Segelenthusiasten wie Tess, die auf ihrem Boot selbst am Steuer stehen.

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  • Was soll denn beidrehen an der Tonne bringen? Wer schreibt denn so was?

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