Yoga
Krieger, Krähe, Kobra

Männer sehen Yoga gerne als esoterisches Kaffeekränzchen. Patrick Broome hat nicht nur Sting oder Christoph Metzelder eines Besseren belehrt. Jetzt schwört er auch Berliner auf einen dynamischen, urbanen Stil ein.

Im vergangenen Herbst veröffentlichte das US-Magazin „Esquire“ eine Umfrage unter Yoga praktizierenden Investmentbankern. Erforscht werden sollte der Zusammenhang zwischen der uralten indischen Meditationspraxis und den hohen, auch körperlich anstrengenden Anforderungen des westlichen Berufslebens. Es gab eine Reihe unterschiedlicher Aussagen, doch im Kern wurde bekundet: Yoga macht nicht klüger und auch nicht erfolgreicher, aber es stärkt die Psyche, stählt den Körper und hilft, schneller mit einem Misserfolg fertig zu werden. „Du bist gefallen?“ heißt es sinngemäß. „Dann steh auf, und versuch es noch mal!“

Yoga ist in der leistungsorientierten Männerwelt angekommen – nicht nur in Amerika, sondern auch hier zu Lande. Als sich die deutsche Nationalelf im vergangenen Frühjahr auf die WM vorbereitete, holte Oliver Bierhoff, der in seiner Los-Angeles-Zeit selber mit Yoga begonnen hatte, einen Yogalehrer ins Team. Nicht irgendwen natürlich, sondern Patrick Broome, einen lässigen, 38-jährigen, promovierten Psychologen. Kein internationales Treffen, kein hochkarätig besetzter Workshop, kein ernst zu nehmendes Seminar, bei dem nicht zumindest versucht würde, ihn zur Teilnahme zu gewinnen. Bekannt wurde der ehemalige Dozent an der Uni München, als er 2001 Jivamukti-Yoga aus den USA nach Deutschland brachte. Diese körperbetonte Variante wurde in den späten 80er-Jahren von Sharon Gannon, einer Tänzerin, und dem Künstler David Life entwickelt. In ihrem Studio in Downtown Manhattan entstand Yoga für moderne Großstadtmenschen, dynamisch und spirituell zugleich. Sting, Madonna und Christy Turlington gehören zu den prominenten Anhängern, und ihr Lehrer war Patrick Broome.

Doch Fußballer sind ein anderes Kaliber. Ganz schön aufgeregt sei er zunächst gewesen, gesteht Patrick Broome, schließlich hätten die Jungs Yoga-Positionen wie „Krieger“, „Kobra“ und „Krähe“ auch völlig bescheuert finden können. Aber sie fanden es toll. Die meisten jedenfalls. So toll immerhin, dass sie Yoga zu einem festen Bestandteil ihres Trainingsprogramms machten und Patrick Broome zum allseits akzeptierten Mannschafts-Guru. Christoph Metzelder sagt rückblickend: „Es war eine gute Erfahrung zu sehen, was Beweglichkeit, Konzentration und Entspannung bedeuten. Uns wurde bewusst, dass gerade die Psyche über Sieg und Niederlage entscheidet.“ Johann Karner sieht das ähnlich. Acht Jahre intensive Yoga-Praxis und beinahe tägliche Besuche im Münchener „Jivamukti Yogaloft“ haben den Unternehmer gelehrt, an Widerständen zu wachsen, Schwierigkeiten als Herausforderung zu betrachten und Stress als positive Energie einzusetzen: „Ich bin gelassener geworden“, sagt er, „betrachte die Dinge mit mehr Distanz und sehe mich nicht genötigt, auf alles immer sofort zu reagieren“. Als netten Nebeneffekt nimmt der 60-Jährige einen perfekt durchtrainierten und erstaunlich gelenkigen Körper mit nach Hause.

„Gerade Männer entwickeln bei den Übungen oft einen Ehrgeiz, der im Yoga überhaupt nichts verloren hat. Nach und nach wächst dann aber die Erkenntnis, dass Yoga mehr zu bieten hat als körperliche Betätigung.“ sagt Broome. „Auch wenn wir uns im Westen weitgehend von kulturell-religiösen Hintergründen gelöst haben, bleibt es eine geistige Schule, die uns lehren soll, besser mit dem Leben klar zu kommen.“

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