Yves Saint Laurent und Pierre Bergé
Die Retter des Kunstmarktjahres 2009

Pierre Bergé, Lebensgefährte des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent, trennt sich erneut von gemeinsamen Erinnerungsstücken. Im Auktionshaus Christie's kamen in diesen Tagen die ersten Möbel und Einrichtungsgegenstände aus dem Haus unter den Hammer, das die beiden in der Normandie hatten. Mit großem Erfolg.
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PARIS. Mit den zwei Auktionsserien der Sammlung des verstorbenen Modeschöpfers Yves Saint Laurent und seines hoch aktiven Partners Pierre Bergé rettet Bergé den weltweiten Kunstmarkt. Einige Monate nach Yves Saint Laurents Tod fand im Februar die erste mehrtägige Versteigerungsserie im Gebäude des Pariser „Grand Palais“ statt. Mit den umgesetzten 342 Mio. Euro wurden sämtliche bisherige Auktionsrekorde für Sammlungen gesprengt. Außerdem rangierte die Stadt Paris Anfang 2009 weltweit auf dem ersten Platz der Auktionsumsätze. Pierre Bergé zeigte sich höchst zufrieden.

Bergé hatte bereits Ende der 1990er Jahre versucht, die im Pariser Auktionsort „Hôtel Drouot“ versammelten Versteigerer aufzukaufen. Was den traditionalistischen „Commissaires-priseurs“ erst bewusst machte, dass ihre Büros und ihre Tätigkeit einen hohen materiellen Wert darstellen. „Ich wollte damals vermeiden, was jetzt passiert“, erklärte Bergé gestern nach dem ersten Auktionstag. Nämlich dass die internationalen Häuser Sotheby's und Christie's den Pariser Markt beherrschen und die „Pariser Versteigerer einer nach dem anderen zusperren müssen“. Diese Kassandra-Prophezeiung ist derjenigen von Bergé gleichzusetzen, als er voraussagte, dass die Haute Couture nach dem Ausscheiden von Yves Saint Laurent in einigen Jahren bedeutungslos würde. Womit er völlig recht hatte.

Pierre Bergé eröffnete 2001 mit den französischen Auktionatoren Antoine Godot und Frédéric Chambre das Auktionshaus Pierre Bergé & Associés. Das in Paris, Brüssel und Genf versteigert. Und nun, gemeinsam mit dem internationalen Auktionshaus Christie's, vom 17. bis 20. November, die zweite Auktionsserie der „Sammlung Yves Saint Laurent – Pierre Bergé“ organisiert.

Diesmal wird vor allem das Mobiliar des „Schlosses Gabriel“ im normannischen Badeort Deauville-Bennerville versteigert. Dazu kommen noch einige Möbel aus dem Pariser Büro von Yves Saint Laurent. Für die 1.200 Lose erwarteten Christie's und Pierre Bergé & Associés zwischen 3 bis 4 Mio. Euro. Sie erzielten jedoch bereits am ersten Tag der Auktion für 309 Positionen 2 236 000 Euro. Also weit mehr als die Hälfte der Gesamtschätzung. Die Dynamik der Memorabilien berühmter, tragisch endender Mythengestalten wie die des genialen Yves Saint Laurent, der an einem Gehirntumor starb, funktioniert auf vollen Touren. Obwohl die Möbel, Kunsthandwerkgegenstände und Lüster des enormen Landhauses gar nicht vergleichbar sind mit der Top-Kunst und den Art Déco-Möbeln der Februar-Auktionen.

Der neugotischen Architektur des „Château Gabriel“ entsprechend richtete der Dekorateur Jacques Grange die Räume des großen Hauses ein. Sie evozieren den üppigen und gleichzeitig melancholischen, dunklen Stil von Ludwig II. von Bayern. Oder die überladene Atmosphäre, die Luchino di Visconti in seinen Filmen rekonstituierte. Saint Laurent wollte im „Château Gabriel“ auch das Universum des Schriftstellers Marcel Proust, bzw. dessen mehrbändigen Romans „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ wiederfinden. Zwischen seinen Angstkrisen gönnte er sich eine Ruhepause mit Blick auf den Ärmelkanal und auf die angehäuften Jugendstil- oder neugotischen Objekte und Möbel.

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