Zadik
Gedeckeltes Wachstum

Das Kölner Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels ist zu einer weltweit gefragten Anlaufstelle geworden. Doch es stößt an seine finanziellen Grenzen. Die Förderung durch die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn wird sukzessive zurückgefahren. Jetzt müssen Bund und Länder entscheiden, ob sie finanzielle Verantwortung übernehmen.
  • 0

Düsseldorf.Mit seinem Galeristen pflegte der Künstler Diter Rot (1930-1998) einen liebevoll-direkten Umgangston. „Heh, mensch zwirner, anti-beamter!“ schrieb er Rudolf Zwirner aus Amerika. 400 Mark hatte der Kölner Händler, Mitbegründer des Kölner Kunstmarkts und des Zentralarchivs des internationalen Kunsthandels e.V. (Zadik), ihm einst zu Gute kommen lassen. Im Gegenzug schickte der Künstler ihm fünf Hut-Graphiken zu je 40 Mark, eine zu 200 Mark und zwei Radierungen zu je 100 Mark. „Siste, da hab ich dir noch was geschenkt, mein junge“, triumphierte Rot am Ende seines vermutlich 1966 verfassten Schreibens, das sich heute in einem säurefreien Karton auf der 7. Hochhausetage im Kölner Mediapark Nr. 7 wiederfindet.

Wissen auf 1.800 Regalmetern

Das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (Zadik) ist hier zuhause mit Tonnen von Dokumenten auf 1.800 Regalmetern, mit Computern, Datenbank, drei fest angestellten und zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern. Mehr als 130 Archivbestände bedeutender Galerien und Kunsthändler, Verbände, Sammler, Kunstkritiker und Fotografen bewahrt und erschließt das Zadik, das sich als weltweit einziges wissenschaftliches Spezialarchiv zur Geschichte des Kunsthandels inzwischen internationales Renommee erarbeitet hat.

Die Besucher kommen aus ganz Europa und aus Amerika. Bis zu 800 Rechercheaufträge und Anfragen hat das vom Bundesverband Deutscher Galerien (BVDG) gegründete Institut mittlerweile jährlich zu bearbeiten – neben einer wachsenden Zahl von Neuzugängen, das Resultat erfolgreicher Arbeit. Das Zadik hätte also allen Grund zu feiern, wenn es im nächsten Jahr 20 Jahre alt wird.

Vernichten, was nicht ins Profil passt

Doch die Expansion, die nötig wäre, findet nicht statt. So wäre es beispielsweise dringend geboten, die eigene mit den internationalen Datenbanken kompatibel zu machen. Doch das Zadik stößt an finanzielle Grenzen, die für ein im Aufbau befindliches Spezialarchiv kontraproduktiv sind. „Außerdem sind wir in den letzten Jahren so sehr gewachsen, dass wir nun – was wir bisher vermeiden konnten – ‚kassieren’ müssen, also bewerten, was bewahrenswert ist, und dann vernichten oder abgeben, was nicht in unser konkretes Sammlungsprofil passt“, sagt Zadik-Leiter Günter Herzog und fügt mit Blick auf die noch nicht ausgestandenen Folgen der Finanzkrise hinzu: „Nun müssen wir schon froh sein, wenn wir überhaupt irgendwie heil aus dem ganzen Schlamassel herauskommen.“

Seite 1:

Gedeckeltes Wachstum

Seite 2:

Kommentare zu " Zadik: Gedeckeltes Wachstum"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%