Zehn Jahre DSDS: „… nur für Geld höre ich mir das noch länger an!“

Zehn Jahre DSDS
„… nur für Geld höre ich mir das noch länger an!“

... urteilte Dieter Bohlen als Juror bei „Deutschland sucht den Superstar“ einst. Das zehnte Jahr der Serie bestätigt ihn: Sender wie RTL pressen alte Formate aus. Neue Erfolgsmodelle zu finden, fällt ihnen schwer.
  • 7

KölnAm vergangenen Samstag ging „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) auf RTL in die zehnte Staffel. Wieder einmal hatte die Show mit 3,21 Millionen die meisten „werberelevanten“, also 14- bis 49-jährigen, Zuschauer des Fernsehabends. Und wieder ist der Vergleichswert auffallend schlecht: Im Vorjahr wollten sich noch fast eine Million Unter-50-Jährige mehr den DSDS-Start ansehen.

Die DSDS-Vergangenheit mag zahlenmäßig beeindrucken. Zur Einstimmung renommierte RTL mit insgesamt 12,18 Millionen verkauftem Tonträgern, 23 Gold- und zehn Platinauszeichnungen, 23 Nr. 1-Chart-Platzierungen und 270.000 Bewerbern. Mit tatsächlichen Superstars kann die Show trotz ihres Titels weniger beeindrucken. Noch immer ist der allererste DSDS-Sieger Alexander Klaws, der inzwischen im Hamburger Musical den „Tarzan“ gibt, der bekannteste. Die übrigen Gewinner gehören eher in die Liga, aus der sich Ex-Promi-Verwertungs-Formate wie „Promi Dinner“ bei Vox oder das RTL-„Dschungelcamp“ bedienen.

Andererseits: Angesichts von bereits zehn bei „Popstars“, der im Jahr 2000 als erste deutsche, damals bei RTL 2 gestartete Castingshow, entstandenen Siegerbands, zwei „Star Search“-Stars von Sat.1, bisher drei „X Factor“-Siegern auf Vox, bislang zwei „Voice of Germany“-Siegern auf Sat.1 sowie natürlich sechs unter der Ägide der DSDS-Gallionsfigur Dieter Bohlen ermittelten RTL-„Supertalenten“ ist die Entwertung des Star-Begriffs kein Wunder. Am Konkurrenzumfeld gemessen, ist eher erstaunlich, wie sehr sich DSDS zum Inbegriff der Castingshow und zum Muster, an dem sich alle Mitbewerber abarbeiten, entwickeln konnte.

Dieser Erfolg hat einen Grund, der sich zugleich zum immer größeren Problem entwickelt: RTL, der ewige Marktführer im deutschen Privatfernsehen, bleibt seinen bewährten Rezepten so treu, dass für wirklich neue Ideen schon seit Jahren nicht mehr der geringste Raum bleibt. Inzwischen ist RTL derart auf alte Muster fixiert, dass es kurz vor Weihnachten gar noch die anno 2000 eingestellte (2008 sogar im ZDF gescheiterte) „Traumhochzeit“ reanimierte .

Ansonsten sorgt der Kölner Sender derzeit mit der dritten Staffel des 2012 nach neun Jahren Unterbrechung wiederaufgenommenen US-Formats „Der Bachelor“ für Schlagzeilen. Seinem Landwirteveräppelungs-Format „Bauer sucht Frau“ ist er schon in der achten Staffel treu. Wer weiß, vielleicht werden sogar doppelt so viele daraus - wie fast schon bei „Wer wird Millionär?“, das nach ebenfalls britischem Vorbild in der 14. Staffel auf Sendung ist - und auch die Tatsache, dass Moderator Günther Jauch längst zum ARD-Gesicht geworden ist, locker wegsteckte.

Seite 1:

„… nur für Geld höre ich mir das noch länger an!“

Seite 2:

„DSDS Kids“: Ein trauriges Zeugnis

Seite 3:

Eindeutschung auf hohem Niveau

Kommentare zu " Zehn Jahre DSDS: „… nur für Geld höre ich mir das noch länger an!“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was hat sich Herr Bohlen dabei gedacht als er diese Jurie zusammengestellt hat.

  • Klar: DSDS ist nur Show und das es keine Stars produziert und gefühlte 50% der Bevölkerung besser singen können als der Sieger eine Binsenweisheit. Aber bei einem hat Bohlen recht: Der Sieger verdient in kurzer Zeit (einmalig) soviel, wie manch anerkannter, etablierter Künstler in zehn Jahren.
    Wieviele von uns Kommentarschreibern würden sich nicht auch über so viel Publikum und Geld für unsere Krittelei & Geschhreibsel freuen. Und das absolute Totschlagargument gegen Kritik an DSDS: Man muss es nicht kucken!
    (PS: Als APO-Man möchte ich für mehr Optimismus in Deutschland eintreten. Bei Supertalent wollte man mich nicht aber ich glaube 2013 wird mein Jahr!!! ;-)

  • Fernsehen macht zu 90% doof...egal ob private Sender oder ÖRR.
    Soll mir recht sein; weniger TV, weniger Stromverbrauch ^. Das Leben besteht aus was anderem als Glotze im HD Format; die Realität ist schärfer als Dumbaddel-TV.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%