Zeichnungen
Stiftspitzen auf Papier bewegen

Die Zeichnung hat sich ihren Platz in der zeitgenössischen Kunst erobert. Das signalisiert eine große Themenausstellung in Siegen. Auch Galeristen haben das Medium entdeckt. Noch können Sammler zu günstigen Preisen einsteigen.
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DÜSSELDORF. In einer Zeit, in der Salonschinken, Monsterskulpturen und Bewusstseinsschwulst die Kunstszene beherrschen, ist Zeichnen schon fast ein Stück Natur. Der so dachte, war selbst ein radikaler Zeichner: Tomas Schmitt, Jahrgang 1943. Zeit seines Lebens machte er nichts anderes, als Stiftspitzen auf Papier zu bewegen. Heraus kamen Zeichnungen, die gelesen, entziffert und enträtselt werden wollen. Tomas Schmit starb 2006, just zu einer Zeit, in der Kunstliebhaber begonnen hatten, die Zeichnung neu für sich zu entdecken.

Die Zeichnung hat sich ihren Platz innerhalb der zeitgenössischen Kunst erobert. Sie hat ihre Galerien, wenn auch in überschaubarer Zahl, sie hat ihre Magazine, Internet-Blogs und Datenbanken, ihre Messen und eigenen Institutionen. Zu Recht spricht das Museum für Gegenwartskunst in Siegen anlässlich ihrer großen Zeichnungs-Schau von einer Erfolgsgeschichte. 41 Künstler führt sie dafür ins Feld, einige Pioniere inbegriffen. Künstler wie Schmit, Joseph Beuys, Stanley Brown oder Cy Twombly waren es, die die Zeichnung seit den sechziger Jahren als ein wesentliches, "primäres" Medium auf grundsätzliche Weise aufgewertet haben.

Zeichnen ist Denken mit dem Stift

Der Siegener Ausstellung geht es vor allem um die Zeichnung als Medium der Bildfindung. Sie verfolgt dabei einen ähnlichen Ansatz wie die viel kleinere Essener Schau "Zeichnung als Prozess" im Museum Folkwang vor zwei Jahren. (Vgl. Handelsblatt vom 1.8.2008). Zeichnen wird, weil es so unmittelbar ist, mit Denken und Prozessen gleichgesetzt.

Die Zeichnung als Dienstleistung

Zeichnung kann Aufzeichnungsmethode (Nanne Meyer, Pia Linz, Alexander Roob), Notation, Schreiben oder Diagramm (Hanne Darboven, Yorinde Voigt) oder Groteske (Ralf Ziervogel, Ryoko Aoki) sein. Zeichnung taugt aber auch als Medium weiblicher Selbstbeobachtung (Tracey Emin, Chloë Piene, Sylvia Bächli) oder als Kunstkritik (Katharina Meldner). Harald Falkenhagens Zeichnungen bilden einen Denkweg ab, Nedko Solakov zeichnet kleine Bild-Erzählungen, die in eine fiktive Welt entführen. Hannes Kater schließlich präsentiert sich als Dienstleister. Wer möchte, bittet ihn per Email um eine Veranschaulichung einer Vorstellung oder Stimmung. "Ich mache eine Zeichnung daraus und schicke sie Dir", verspricht er auf seiner Website. "Umsonst!" So wird Zeichnung zum Service.

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