Zeitgenössische afrikanische Kunst
Der Fremde und der biestige Kunstmarkt

Erst seit 1989 nimmt die westliche Kunstgemeinde zeitgenössische afrikanische Kunst wahr. Ihre Preise entwickeln sich langsamer als etwa in China. Ein Überblick über die Künstler, den Kunstbetrieb, den Markt und seine Drahtzieher.
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ParisKein Land in Afrika wird mit einer nur annähernd vergleichbaren wirtschaftlichen Expansion aufwarten können wie China oder Indien, wo parallel zum finanziellen Aufschwung ein florierender Handel mit zeitgenössischer Kunst entstand. Dessen stetiges Umsatzplus hat China soeben an die zweite Stelle des internationalen Rankings katapultiert.

Dagegen lassen sich für afrikanische Künstler bisher relativ bescheidene Galerie- und Auktionspreise notieren, obwohl sie höchst interessante Werke produzieren. Sie faszinieren, weil sie Geschichte des Kolonialismus mit den Mitteln moderner Kunst erzählen.

Die Entdeckung der zeitgenössischen Kunst aus Afrika verdankt der Kunstbetrieb einer Handvoll Persönlichkeiten, die in den letzten 20 Jahren die westliche Wahrnehmung für nichtabendländische Kunst prägten. Allen voran der Pariser Kunsthistoriker Jean-Hubert Martin, der als Direktor des Centre Georges Pompidou im Jahr 1989 mit der Ausstellung „Les Magiciens de la Terre/Die Magier der Erde“ erstmals eine umfangreiche Präsentation von extra-okzidentalen Künstlern wagte. Die Schau löste bis heute anhaltende, heftige Diskussionen aus. Sie wurde als Wendepunkt wahrgenommen, ab dem sich die Präsenz asiatischer und afrikanischer Künstler in Museen und auf dem Kunstmarkt durchsetzte.

Zwei weitere Präsentationen haben unseren Blick verändert, findet Jean-Hubert Martin: „Die Kunst aus Südafrika“ im Jahre 1990 in Oxford im Museum of Modern Art und die Erfassung der „Arabischen zeitgenössischen Kunst“, die Brahim Alaoui, Direktor des „Institut du Monde Arabe“, 1988 in Paris vorstellte.

Als Jean-Hubert Martin das Museum Kunstpalast in Düsseldorf leitete, gab er 2004 mit der Schau „Africa Remix“ einen Überblick über das künstlerische Schaffen in ganz Afrika. Eine Synthese, die nach Paris, London und Tokyo wanderte.

Heute teilt man die Kunst aus Afrika in drei große Zonen: Maghreb, Schwarzafrika und Südafrika. Die südafrikanischen Künstler, wie die Malerin und Zeichnerin Marlene Dumas, der Fotograf David Goldblatt oder der Zeichner und Puppenspieler William Kentridge rangieren seit Jahren auf einem ziemlich hohen Preisniveau. Viele leben nicht mehr in Südafrika.

Für aktuelle Künstler aus dem Maghreb interessieren sich Galeristen und Sammler erst seit wenigen Jahren. Deshalb übersteigen ihre Preise in Galerien selten die 20.000 Euro-Grenze. Die im Herbst 2010 gestartete Messe für Gegenwartskunst „Marrakesch Art Fair“, die erste auf dem afrikanischen Kontinent, könnte die Situation mittelfristig verändern.

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