Zeitgenössische Kunst
Anzeichen des Abschwungs

Die Abendauktion von Christie's nimmt mit zeitgenössischer Kunst 133 Millionen Pfund ein. Damit erzielte sie einen europäischen Einnahmerekord. Sotheby's hingegen erreichte nur 69,3 Millionen Pfund.
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LondonChristie's Abendauktion mit zeitgenössischer Kunst am 27. Juni war mit 132,8 Millionen Pfund ein europäischer Einnahmerekord. Es gab Superpreise und Rekorde. Yves Kleins strahlend magentarotes Schwammrelief "Le Rose du bleu", eine begehrte Seltenheit, die eine Verkaufsgarantie und eine unveröffentlichte Taxe um 18 Millionen Pfund hatte, ging nach hartem Gefecht für brutto 23,6 Millionen Pfund gegen die im Saal bietende Schweizer Händlerin Doris Ammann an einen Telefonbieter.

Aber Christie's Auktionserfolg zeigt weniger, dass der Kunstmarkt gesund und kugelrund läuft. Er war vielmehr eine Meisterstück in Marktstrategie und Marketing. "Die Ergebnisse waren absolut erwartet, es ist nichts Irrationales in diesem Markt", betonte Christie's Chefspezialist Brett Gorvy aus New York nach der Auktion. Man hatte den Kern des zeitgenössischen Investitions- und Sammlermarktes in seinen besten Exemplaren versammelt: Yves Klein, Gerhard Richter, Francis Bacon, Jean-Michel Basquiat - und drum herum Lucian Freud, Roy Lichtenstein, Cy Twombly und wie immer Lucio Fontana.

"Wir haben gezielt nach diesen Werken gesucht und Sammler überzeugt, dass für diese Werke jetzt der richtige Zeitpunkt ist zu verkaufen", so Gorvy. Christie's schaffte es auch, Werke aus den USA auf den starken Londoner Markt zu bringen - sogar Erzamerikaner wie Basquiat oder Lichtenstein.

Der rote Klein schlug mit 36,8 Millionen Dollar knapp den Rekordpreis für das im Mai in New York für 36,5 Millionen Dollar verkaufte "Feu Couleur 1", das seinerseits den Rekord des goldenen "MG 9" aus der Sammlung Lauffs schlug, mit deren taufrischen Werken der große Preissprung für Klein 2008 begann. Die neue Obergrenze ist nun fest etabliert, eine Flut von Klein-Bildern muss sich anpassen: Das "Rélief éponge bleu 51" ging für 7,7 Millionen Pfund an den New Yorker Händler William Acquavella, die schöne Anthropometrie "ANT 49" des deutschen Jazzproduzenten Siggi Loch brachte 1,3 Millionen Pfund - alles korrekte Preise.

Ähnlich ist es bei Gerhard Richter, für den in den letzten vier Jahren ein neues Preisniveau etabliert wurde. Auch hier hat die Aufholjagd begonnen. Wenn es in deutschen Sammlungen nur noch wenige frühe Richter-Gemälde gibt, ruhen weltweit, vor allem in Amerika, noch genügend Werke, die vor zehn Jahren 300 000 bis 400 000 Dollar kosteten und nun zehn Millionen und mehr wert sind: Viele von ihnen werden in den nächsten Jahren die Auktionshäuser beglücken. Richter ist, wie Fontana, mit seinem seit 40 Jahren unverrückbaren Blue-Chip-Status bestens für den Auktionsmarkt geeignet, erklärt Gorvy. Anders als seine Kollegen Baselitz und Polke übte er strenge Qualitätskontrolle - es kommen keine schlechten Werke in die Auktionen und gefährden die Preissicherheit.

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