Zeitgenössische Kunst
Auktionshäuser setzen auf Marktlieblinge

Sowohl nach Menge und Qualität der Einlieferungen knüpfen die anstehenden New Yorker Zeitgenossenauktionen fast nahtlos an Vorkrisenzeiten an. Das zurückgekehrte Vertrauen der Einlieferer spricht dafür, dass auf dem Kunstmarkt alles wieder in Ordnung ist. Besonders Werke von Rothko und Warhol verkauften sich gut.
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NEW YORK. „In den vergangenen sechs Monaten hatten Rothko und Warhol großartigen Erfolg. Also suchten wir auch für diese Auktion nach Rothko und Warhol“, erklärt Tobias Meyer, Sotheby’s weltweiter Direktor Contemporary Art, die Strategie des Hauses.

Sotheby’s bietet Andy Warhols über zwei Meter große, schwarz-weiße „Coca-Cola (4) “-Flasche an, für die Michael Rea, Publizist und im Vorstand u.a. des Guggenheim Museums, bei Christie’s 1983 143000 Dollar gezahlt hatte. Jetzt werden 20 bis 25 Mio. Dollar als angemessen erachtet. Und Rothkos in internationalen Ausstellungen herumgereichtes Großformat in erfolgversprechender sonniger Farbkombination Gelb und Orange (1955) schließt sich mit bewusst niedriger Erwartung von 20 bis 30 Mio. Dollar an. Hier lieferte der bekannte Architekt Graham Gund aus Cambridge, MA, ein.

Unter Sotheby’s gut kuratierter Auswahl am 9.11. ist auch Gerhard Richters auf 6 bis 8 Mio. Dollar veranschlagtes zwei Meter langes, fotorealistisches Bild „Matrosen“ (1966) zu finden, das die Zukunft des Weserburg Museums für moderne Kunst in Bremen sichern soll. Sotheby’s beabsichtigt, für 55 Lose mindestens 152 Mio. Dollar einzunehmen. Noch wurden die Schätzpreise vorsichtig um 20 bis 30 Prozent unter denen der Boomzeiten angesetzt.

Christie’s steigt am 10.11. mit 76 Losen zu mindestens 240 Mio. Dollar in den Ring, dem Vierfachen der Auktion vor einem Jahr. Auch hier führt Warhol. Barney Ebsworth, bedeutender Sammler amerikanischer Moderne in Seattle, trennte sich gegen erwartete 30 bis 50 Mio. Dollar von „Big Campbell Soup Can with Can Opener (Vegetable)“ (1962). Dazu drängt sich in dieser Saison aggressiv Roy Lichtenstein in die Pop-Art-Elite. Sein wunderbares Comic-Gemälde mit Sprechblase „Ohhh…Alright“ (1964) stammt aus dem Wohnzimmer des Kasinobetreibers Steve Wynn, Las Vegas, und wettet mit unveröffentlichter Taxe von 40 Mio. Dollar auf einen satten Auktionsrekord.

Christie’s Rothko „No. 18 (Brown and Black on Plum)“ (1958, 9 bis 12 Mio. Dollar) stammt aus der Sammlung des bedeutenden Baseler Museumsdirektors Franz Meyer, der in den 60er-Jahren amerikanische Nachkriegskunst nach Europa brachte. Nach zehn Jahren beendete Jeff Koons’ blaue Chromedelstahlskulptur „Balloon Flower“ (1995-2000) ihr Gastspiel in der Daimler Art Collection gegen erwartete 12 bis 16 Mio. Dollar. Zuletzt kostete eine Version im Juni 2008 in London noch 25,7 Mio. Dollar.



Dagegen sind Gerhard Richters elegante und sehr begehrte „Zwei Kerzen“ (1983) auf rekordhaltige 12 bis 16 Mio. Dollar taxiert. Aggressiv sicherte sich Christie’s drei kalifornische Nachlässe. Laut „New York Times“ erhalten deren Einlieferer zusätzlich einen Prozentsatz des Käuferaufgeldes. Dafür steuert der Nachlass von Robert Shapazian, Gründungsdirektor der Gagosian Gallery in Beverly Hills, allein neun Warhols aus der kommerziell erfolgreichsten Zeit bei. Darunter ist „Small Campbell Soup Can (Tomato)“ (1962, 6 bis 8 Mio. Dollar) zu finden.

Auch der ewige Dritte Phillips de Pury & Co. klotzt in dieser Saison. Er weiht am 8.11. ein neues Hauptquartier an der Park Avenue in Midtown ein. 59 Lose der Abendauktion addieren sich zu 103,6 Mio. Dollar – die bislang bei weitem höchste Schätzsumme des Hauses. Auch hier führt Andy Warhol. Das Großformat um Liz Taylors „Men in Her Life“ (1962) aus der Sammlung Mugrabi könnte allein um 40 Mio. Dollar einbringen.

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