Zeitgenössische Kunst
Das Vertrauen kehrt zurück

Die Londoner Auktionen mit Gegenwartskunst bringen neben Rekordpreisen auch einige Überraschungen. Christie's macht Furore mit italienischer Kunst. Phillips hatte seine besten Umsätze seit zwei Jahren.
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LONDON. Nicht die teuren, in der Abendauktion zum Aufruf gekommenen Werke von Damien Hirst, Takashi Murakami und Jean Michel-Basquiat brachten Christie's die höchsten Preise. Es war der frühe Guss eines Reiters von Marino Marini (1951) aus der Session mit italienischer Kunst, der sich an die Spitze setzte. Über 50 Jahre hatte er in der Kantine des schwedischen Gewerkschaftsbundes gestanden. In einem langen Bietgefecht kletterte die expressiv ziselierte Gewerkschafter-Bronze auf einen Rekordpreis von 4,5 Mio. Pfund (5,1 Mio. Euro). Geschätzt war er auf 1,2 bis 1,8 Mio. Pfund.

Solide Auktionsergebnisse und Rekordpreise

Der gegenüber dem Pfund starke Euro half den Contemporary-Auktionen in London; aber der Grund für den Erfolg war das mit Hilfe der Frieze Messe wieder hergestellte Vertrauen in den Markt für zeitgenössische Kunst, der sich nun in soliden Auktionsergebnissen niederschlägt. Nachdem Phillips am Mittwochabend seine beste Londoner Abendauktion seit Juni 2008 hatte, setzte Christie's in der langen Abendauktion Kunst für 38 Mio. Pfund um, die obere Gesamtschätzung.

Zero-Kunst bleibt auf Erfolgskurs

Unmittelbar nach der Contemporary Auktion wurden die für das internationale Kunstgeschehen so einflussreichen italienischen Nachkriegskünstler versteigert, darunter viel Kunst im nun so erfolgreichen "Zero"-Stil.

Die Auktionen eigens für italienische Kunst begannen in London an der Jahrtausendwende. In den letzten fünf Jahren haben sie ihr Wertvolumen verfünffacht: Christie's hatte mit einer Einnahme von 18,6 Mio. Pfund für 35 verkaufte Lose seine beste Auktion in dem Segment. "Es war eine unglaubliche Stimmung im Saal", freute sich Christie's Experte Francis Outred und führte das auf den Erfolg der Frieze Messe zurück. "Die Begeisterung um diese Messe wächst von Jahr zu Jahr," meinte er euphorisch.

Harter Kampf um Takashi Murakami

Im Contemporary-Teil wurden 19,5 Mio. Pfund eingenommen. Den härtesten Kampf gab es für die Doppelskulptur Takashi Murakamis "Kaikai Kiki", von der ein anderes Auflagenexemplar in Murakamis aufsehenerregender Installation in Versailles gezeigt wurde. Händlerin Daniella Luxembourg musste in vorderster Reihe bietend die vierfache Schätzung von 1.95 Mio. Pfund (2,2 Mio. Euro) bezahlen, nachdem sie kurz zuvor ein wichtiges Triptychon von Jean-Michel Basquiat für 1,5 Mio. Pfund übernommen hatte.

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