Zeitgenössische Kunst
Der Kunstmarkt kommt in Fahrt

Die Londoner Auktionen für zeitgenössische Werke laufen so gut wie vor dem Crash. Von liquiden Märkten profitiert insbesondere die italienische Kunst. Arbeiten aus Deutschland liegen nicht mehr so im Trend. Wofür die Londoner Sammler ihr Geld ausgeben.
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LONDON. Die Bedenken, die den Auktionsmarkt im Frühsommer noch plagten, sind im Herbst verflogen. Die Bilanz der Londoner Auktionen für zeitgenössische Kunst war unzweideutig positiv. Wie die Frieze-Messe selbst übertrafen auch sie alle Erwartungen. Kunsthändler und Berater wie der Düsseldorfer Art Consultant Jörg-Michael Bertz reisten erhobenen Hauptes ab. „Man hat klar gesehen, dass für die Kunst genügend Geld da ist“, bilanzierte er.

Die Mischung aus Blue Chips und junger Kunst stimmt

Phillips hatte seine beste Londoner Auktionsserie seit Frühjahr 2008 und bei Sotheby’s und Christie’s brachten die extrem starken Auktionen mit italienischer Kunst Umsatzrekorde. Grundsolide schnitten die Contemporary-Auktionen mit einer Mischung aus bewährten Bluechips und neuer Kunst ab. Insgesamt wurde in London Kunst für 93 Mio. Pfund (107 Mio. Euro) verkauft. Das war fast das Doppelte des Vorjahrs und etwa so viel wie im Oktober 2008, als die Krise auf dem Kunstmarkt noch gar nicht begonnen hatte.

Nie waren die Auktionen mit italienischer Kunst so erfolgreich. Die Liste der international einflussreichen italienischen Nachkriegsklassiker ist groß. Jetzt profitieren sie vom anhaltenden Trend zu Qualität, kunstgeschichtlicher Verankerung und liquiden Märkten. Lucio Fontana, Inbegriff krisenfester Bluechip-Künstler, war allgegenwärtig. Bei Christie’s waren vier, bei Sotheby’s fünf seiner Arbeiten unter den Top-Ten-Losen. Am teuersten wurde ein weißes, edles „Concetto“ mit acht Leinwandschlitzen bei Sotheby’s für 2,3 Mio. Pfund.

Christie’s hatte den Sieger der Woche, den frühen, aufregend ziselierten Bronzeguss eines großen „Cavaliere“ von Marino Marini. Über 50 Jahre stand er in der Kantine des schwedischen Gewerkschaftsbundes in Stockholm. Der Schätzpreis von 1,2 bis 1,8 Mio. Pfund kletterte durch eine Schlacht von Telefonbietern auf den Rekordpreis von 4,5 Mio. Pfund (5,1 Mio. Euro.)

„Zero Art“, die den Italienern so nahe steht, bleibt en vogue: Bei Christie’s bewies Otto Pienes Blattgold-Arbeit „Goldgold“ mit einem Rekordpreis von 337 250 Pfund die These, dass Kunst das neue Gold ist. Drei als Gruppe versteigerte Arbeiten aus dem Zahlen-Opus des Polen Roman Opalka brachten mit 802 050 Pfund einen Rekordpreis – beide Werke überflügelten die Rekordmarken, die in der Zero-Auktion der Sammlung Lenz im Februar bei Sotheby’s gesetzt worden waren.

„Sammler und Händler haben sich den sicheren Blue-Chip Bereichen des Marktes zugewandt und investieren hohe Beträge“, meldete nach den Auktionen die Londoner Fine Art Fund Group, die die kommenden zwölf Monate als „extrem interessante Zeit zum Verkauf qualitätvoller Werken“ sieht.

Zu den teuersten Losen der Gegenwartskunst gehörte Takashi Murakamis Doppelskulptur „Kaikai Kiki“, von der ein Auflagenexemplar in Murakamis aufsehenerregender Installation in Versailles gezeigt wurde. Händlerin Daniella Luxembourg bezahlte mit 1,9 Mio. Pfund die vierfache Schätzung (2,2 Mio. Euro), nachdem sie kurz zuvor ein wichtiges Triptychon von Jean-Michel Basquiat für 1,5 Mio. Pfund übernommen hatte.

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