Zeitgenössische Kunst
Die Monopolisten

Auf dem Kunstmarkt herrscht eine  Hochwetterlage. Im Spitzensegment sind Eintrübungen nicht zu erwarten. Der Markt lebt von ein paar Lieblingen: Francis Bacon, Jean-Michel Basquiat, Gerhard Richter und Lucio Fontana.
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LondonEine Woche nach glänzenden Moderneauktionen sorgten Gier nach Kunst und frei verfügbares Geld der Superreichen auch bei den Londoner Zeitgenossen- Auktionen für Bietfeuerwerke. Bei dem stabilen Dauerhoch für die wenigen Lieblinge des Kunstmarkts sind Eintrübungen nicht am Horizont zu sehen. Die Preise steigen, wenn Qualität und die gängige Mode es rechtfertigen.

Die Begierde gilt vor allem einer Handvoll teuer bezahlter Künstler. Francis Bacon, Jean-Michel Basquiat und Gerhard Richter sind die Säulen des Marktes. Zusammen bestritten ihre Arbeiten 45 Prozent der Abendeinnahme von Christie's und Sotheby's.

Christie's nahm am Mittwochabend für 65 verkaufte Lose 81,7 Millionen Pfund ein. Bei Sotheby's lag das Abendergebnis für eine schlankere Auktion bei 74,3 Millionen Pfund. Es war die erfolgreichste Auktionsserie in zwei Februarwochen mit einem Gesamtumsatz von über einer halben Milliarde Pfund.

Das Los der Woche könnte bald in Düsseldorf auftauchen. Francis Bacons "Three Studies for a Self-Portrait" wurde von dem Mönchengladbacher Tabakwarengroßhändler Jürgen Hall telefonisch ersteigert, und wenn Hall steigert, beglückt er meist ein Museum. Bislang begünstigte er das Kunstmuseum Bonn. Jetzt favorisiert der Mäzen, wie er dem Handelsblatt exklusiv mitteilte, die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Vorausgesetzt deren Direktion nimmt die Dauerleihgabe an. Interesse angemeldet hat auch ein bedeutendes Museum in London. Hall ist es wichtig, dass sich eine breite Öffentlichkeit an seinen Kunstkäufen erfreuen kann.

13,7 Millionen Pfund (16 Millionen Euro) kostete das kleine Triptychon, ein gutes Beispiel, wie rasant der Markt sich seit seinem letzten Verkauf 2006 entwickelt hat, als er in London noch 3,8 Millionen Pfund kostete und "kleine" Bacons noch nicht den Anschluss an den Hochpreismarkt gefunden hatten. Nach einer Konsolidierungspause ist Bacon seit zwei Jahren wieder im Vormarsch. Man sah das diese Woche bei einer kleinen Porträtstudie, die bei Sotheby's ihre Schätzung auf 4,5 Millionen Pfund verdoppelte und bei Christie's, wo "Man in Blue VI", das 2009 noch zurückgegangen war, 4,9 Millionen Pfund brachte. Geboten wurde überwiegend per Telefon von Privatbietern.

Christie's Spitzenlos wurde Jean-Michel Basquiats Schriftbild "Museum Security" mit 9,3 Millionen Pfund. Es war im letzten Mai in New York mit einer Taxe von neun bis zwölf Millionen US-Dollar wegen eines Rechtsstreits zurückgezogen worden. Der Einlieferer, der New Yorker Kunstkäufer Jose Mugrabi, hatte es laut den Gerichtsakten für 6,1 Millionen Dollar über den Londoner Händler Gerard Faggionato von der Spencer-Churchill-Familie gekauft, dann für den Auktionsverkauf einen Garantiekäufer gefunden. Die Auktion wäre ein Test für Verkäufer und Käufer gewesen, ob jemand noch mehr zu zahlen bereit ist. In diesem Fall hätten sich die beiden Parteien den Mehrgewinn geteilt.

Edward Spencer-Churchill war so erzürnt, dass er vor Gericht zog. Nun einigten sich die Parteien, der Basquiat wurde interessanterweise als Einlieferung einer "distinguierten europäischen Sammlung" beschrieben und ohne Garantie, aber mit auf umgerechnet elf bis 14 Millionen Dollar erhöhter Schätzung angeboten. Der Käufer war der Pariser John Sayegh-Belchatowski, auch er ein Kunst-Trader vom Schlage Mugabis.

Jose Mugrabi selbst ruhte nicht: Er ersteigerte die beiden Basquiats bei Sotheby's am Abend zuvor. 6,8 Millionen Pfund für "Ohne Titel (Pecho/Oreja)", das 2008 von der Band U2 für 5,1 Millionen Pfund verkauft wurde, knapp fünf Millionen Pfund für "Five Fish Species".

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