Zeitgenössische Kunst
„Die Strukturen in Galerien müssen überdacht werden“

Linn Lühn schließt ihre Kölner Räume und eröffnet demnächst in Düsseldorf ein Wohnungsgalerie. "Wir arbeiten mit Ideen, die 50 Jahre alt sind", kritisiert die engagierte Galeristin. Handelsblatt-Redakteurin Christiane Fricke sprach mit ihr über einen sich wandelnden Beruf und das heutige Bild von einer Galerie.
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Handelsblatt: Was hat Düsseldorf einer Galeristin zu bieten, was Köln nicht hat?

Linn Lühn: Zunächst ist mein Umzug keine Entscheidung gegen Köln, vielmehr eine Entscheidung FÜR Düsseldorf. Ich liebe Köln und lebe gerne hier, doch die Stadt hat es systematisch versäumt, sich auch nur ansatzweise um die vor zehn Jahren noch hervorragende Kunstszene zu bemühen, sie gar als Wirtschaftsfaktor wahrzunehmen. Köln hat durch den Weggang von Galerien, Künstlern, Kuratoren und Journalisten sehr gelitten und erreicht immer wieder traurige neue Höhepunkte. Düsseldorf hat eine mittlerweile glänzend besetzte Kunstakademie. Daraus ist eine lebhafte Künstlerszene mit Off-Spaces und guten jungen Galerien erwachsen, die teilweise von ehemaligen Künstlern betrieben werden. Düsseldorf hat einen Kulturdezernenten, der sich auch für Bildende Kunst interessiert und sich für die lokale Szene engagiert. Das sorgt für positive Stimmung. Nicht zuletzt hat Düsseldorf Kunstinstitutionen, die eng mit der Stadt und der Szene dort verknüpft sind; auch eine Kunsthalle.

Welche Standortbedingungen sprechen für das Rheinland?

Die Dichte an Institutionen enorm, die Szene ist klein und leider recht überschaubar geworden; doch darin liegt auch eine Chance, sich deutlich zu positionieren.

Galeriearbeit ist heute ein einsames Geschäft. Was ist anders geworden?

Wenn es ein einsames Geschäft ist, dann hat man etwas falsch gemacht. Das Galeristendasein sollte eher ein kommunikatives Geschäft sein. Das Gespräch mit den Künstlern über Kunst, neue Arbeiten, die Vermittlung der Arbeiten und der Kontakt zu Sammlern - alles geht nur über Kommunikation. Überdacht werden müssen die Strukturen wie man eine Galerie heutzutage führt: Ist ein Geschäftslokal mit Schaufenster wirklich noch interessant? Sollten wir im Internet alles veröffentlichen und verfügbar machen? Wie vermitteln wir Kunst in einer Zeit, in der die Leute überschwemmt werden von qualitativ sehr unterschiedlichen Angeboten? Dafür möchte ich mir Zeit nehmen. Ich kann mir durchaus vorstellen, in Düsseldorf Räumlichkeiten in einer repräsentativen, großzügigen Wohnung zu beziehen.

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