Zeitgenössische Kunst
Duett mit Ozeanwellen

Die walisische Künstlerin Bethan Huws konfrontiert ihr Publikum mit starken Bildern. Die Bawag Contemporary in Wien stellt ihr filmisches Werk aus.
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WienEin Mann in schwarzem Anzug stapft durch Industrieruinen und spricht mit sich selbst. Eine Gruppe folkloristisch gekleideter Frauen singt polyphon vor Meereskulisse. Marcel Duchamps legendäres "Ready-made" (industriell hergestellter Gegenstand)eines "Flaschentrockners" (1914) trifft auf einen Herrn, der in historischen Frauenkostümen eine Treppe hinabsteigt. Es sind starke Bilder, mit denen die walisische Künstlerin Bethan Huws ihr Publikum konfrontiert, Szenen aus ihrem Film „Ion On“.

Abhängigkeiten im Kunstbetrieb

Die Ausstellung „Bethan Huws. Films“ in der Wiener Bawag Contemporary beschränkt sich auf das filmische Werk der Biennale-Teilnehmerin von 2003. „Ion On“ entstand 2003, im Jahr, in dem Huws auf der Biennale in Venedig vertreten war. Er wurde auf 35 mm produziert. Seine Projektion am Anfang der Ausstellung ist leider etwas gestört durch den lauten Sound der im Geschoss darunter abgespielten Arbeit „A Marriage in the King’s Forest“.

Schon zu Beginn entwickelt die Schau eine beträchtliche Sogkraft. Der eingangs erwähnte Anzugträger, der in „Ion On“ durch eine ehemalige Kupfermine in Sardinien streift, vereint in sich zwei Positionen des Kunstbetriebs: Er deklamiert ein Zwiegespräch zwischen zwei fiktiven Personen, einem Künstler und einen Kurator. In radikaler Offenheit sprechen sie über wechselseitige Abhängigkeiten, ausstellungstechnische Meinungsverschiedenheiten und sonstige Differenzen zwischen jenen, die Kunst produzieren und jenen, die sie in bestimmten Zusammenhängen arrangieren und einem Publikum nahe bringen.

„Die Kuratoren manipulieren die Künstler und umgekehrt“, bringt Bethan Huws die prekäre Beziehung auf den Punkt. Als Metapher für dieses berufliche Umfeld steht ein Schauplatz, der die Verwüstung ebenso in sich trägt wie die Vergangenheit in Gestalt von Brachland. Damit verweist Huws auf den „fehlenden Respekt vor der Geschichte“. „Ein Mangel an Erinnerungsvermögen ist gefährlich“, erklärt die Künstlerin.

Lied über die Schafhirten

Wie so oft geht es ihr auch hier um die Sprache, die Versuche, einander näher zu kommen, in einen Dialog zu treten. Es geht aber auch um die Vielfalt unterschiedlicher Stimmen, wie etwa in ihrem Film „Singing for the Sea“ von 1993. Dafür ließ sie acht Bewohnerinnen eines bulgarischen Bergdorfes an die britische Küste fliegen, wo sie – angeblich – über Schafhirten und Wälder singen. Mal wenden sie sich dem Meer zu, dann wieder dem Betrachter, tanzen hüpfend im Kreis – und treten in eine Kommunikation mit den Wellen des Ozeans, der scheinbar auf ihren reizvollen und vielstimmigen Gesang reagiert. „Die uralten Klänge aus den Bergen begegnen dem Meer“, schreibt Bawag-Contemporary-Leiterin Christine Kintisch in ihrem Katalogbeitrag.

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