Zeitgenössische Kunst
Gestandene Pop Art-Künstler machen das Rennen

Mit gesenkten Schätzpreisen lockt Phillips de Pury alte Sammler zurück in den Auktionssaal. Zeitgenössische Kunst, Design und Fotos erfüllen in New York tief gehängte Erwartungen. Einzelne Raritäten bringen sogar höhere Preise als im Boom.
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NEW YORK. Bei Phillips de Pury & Co. zeigten sich am 12. November 2009 die Trends der Saison wie unter der Lupe vergrößert. Die Zurückhaltung der Einlieferer hatte eine nicht gerade glänzende Offerte von nur 40 Losen zusammengebracht. Die eingenommenen 7,1 Mio. Dollar trafen mitten in die Erwartungen, jedoch zum niedrigsten Ergebnis, das je am Ort erzielt wurde.

Es gab keinen einzigen Millionenpreis. Im Vergleich zum Mai stieg die Zuschlagsquote auf 77,5 Prozent; nach Wert wurden sogar 86 Prozent abgesetzt. "Die Stimmung ist deutlich besser," kommentiert Chairman Simon de Pury, "der Markt ist aktiv und solide". Abteilungsleiter Michael McGinnis beobachtete einen größeren Kapitalzufluss, auch seien seit zwei Jahren verschwundene Sammler wieder dabei.

Phillips hatte die Schätzpreise um etwa 40 Prozent gesenkt, aber einzelne Raritäten brachten höhere Preise als noch vor 18 Monaten. Die abendlichen Spitzenplätze teilten sich gestandene Pop Art-Künstler. 842 500 Dollar verlangten das späte Großformat "Inifinity Nets (T.W.A.)" der Japanerin Yayoi Kusama, das auf 300 000 bis 400 000 Dollar taxiert war, und Andy Warhols bemalte Holzkiste "Brillo Soap Pads Box" (1964). In einer für Warhol sehr erfolgreichen Woche erzielte diese mit 700 000 bis 900 000 Dollar bereits sehr ehrgeizig geschätzte Attraktion einen Rekordpreis. Der vorangehende Bestpreis stand seit drei Jahren bei 710 400 Dollar.

Vorbesitzer war Warhols Manager Fred Hughes. Das dürfte den neuen Eigentümer angesichts des im letzten Sommer bekannt gewordenen Skandals um über 100 im Jahr 1990 gefälschte Kisten beruhigen. Ein Bietgefecht um Ed Ruschas "Mean as Hell" (2002) entschied Marc Simoncini, CEO der französischen Partnervermittlungs-Website Meetic, der schon das Kusama-Bild kaufte, gegen zwei Konkurrenten bei erwarteten 590 500 Dollar für sich.

Unter der jüngsten Kunst war eine Teamarbeit von Guyton/Walker zu finden. Ihr Siebdruck aus der Serie "Empire Strikes Back" (2006) rund um Werbung der Wodkamarke Ketel One brachte großartige 74 500 (20 000 bis 30 000) Dollar am Telefon. Wieder trennte sich hier Charles Saatchi anonym von etwa einem Dutzend Werke. Jules de Balincourts "Ambitious New Plans" brachte ihm starke 116 500 Dollar ein, aber Anselm Reyles riesiges Querformat "Sonnenuntergang am Genfer See" blieb unverkauft.

Zum ersten Mal ergänzte Phillips Contemporary Art in einem viertägigen Marathon mit Fotos, Design und Editionen. Laut Thierry Nataf, Senior Vice President, soll dieses Konzept der "Art Week" 25 Prozent des Jahresumsatzes bringen. Sämtliche Versteigerungen brachten zufriedenstellende Ergebnisse mit einer durchschnittlichen Zuschlagsquote von 78 Prozent. Das üppige Angebot von 295 Fotos wurde am 14.11. zu 2,8 Mio. Dollar akzeptiert, angeführt von Hiroshi Sugimotos Salvador Dali-Porträt zu 92 500 Dollar.

Design (14.11.) nahm 3,6 Mio. Dollar ein. Hier brachten zwei mit weißem Ziegenfell bezogene Sessel aus Jean Royères stets begehrter Serie "Boule" (oder auch "Eisbär") sehr starke 482 500 Dollar ein. Editionen addierten sich am 15.11. zu Einnahmen in Höhe von 2,5 Mio. Dollar. Warhols zehnteilige Serie "Cowboys and Indians" behauptete mit 134 500 Dollar den Spitzenplatz.

www.phillipsdepury.com

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