Zeitgenössische Kunst
Millionen für Polizistenduo

Die New Yorker Auktionen für zeitgenössische Kunst sind solide gestartet. Phillips de Pury nahm 71,3 Millionen Dollar ein. Für zahlreiche Lose war der Verkauf zuvor vereinbart worden. Garantien sind inzwischen zur Norm geworden.
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New YorkRichard Prince verschrieb sich 2002 ein einfaches Rezept: Reihenweise malte er Cover billiger Krankenhausromane der 50er- und 60er-Jahre zu großen, grellen Bildern seiner Serie „Schwestern“. Die stiegen nach der Premiere in der New Yorker Galerie Barbara Gladstone, wo sie jeweils etwa 45 000 bis 85 000 Dollar kosteten, in Boomzeiten rasch zu begehrten Trophäen heißblütiger Milliardäre auf. Der höchste Preis wurde im Juli 2008 für „Overseas Nurse“ bezahlt: 8,4 Millionen Dollar. Dann wurde es kurz ruhig um die erfolgreichste Serie des Künstlers. Nun ist sie wieder da. Für die sexy „Runaway Nurse“ (2006) hämmerte Phillips de Pury am 7. November 6,8 Millionen Dollar ein.

Inneneinrichter mit üppigen Budgets

Mutig eröffnete das Boutique-Auktionshaus Phillips de Pury die wichtigen New Yorker Zeitgenossenauktionen. Seit der Übernahme durch die russische Investorengruppe Mercury Group vor drei Jahren arbeitet man stetig an einem neuen ernsthafteren Profil. Ein deutliches Signal setzte im letzten November der Umzug in das mit schwarzem Granit verkleidete elegante ehemalige Bankgebäude an Park Avenue. Nun kommt eine ganz neue Kundschaft: „Wir sehen jetzt auch die Inneneinrichter, die über eine Million ausgeben“, sagt McGinnis, Worldwide Head für zeitgenössische Kunst bei Phillips.

Garantien sind inzwischen die Norm

Die Abendeinnahmen von 71,3 Millionen Dollar am 7. November sind ein solides Ergebnis, wenn auch einige Spitzenlose den einzigen Telefonbietern, möglicherweise die Garantiegeber, zugeschlagen wurden. Erwartet wurden 66,6 bis 97,9 Millionen Dollar. Phillips hatte 18 von 44 Losen vorab durch Garantien verkauft. Verschleiert das die Transparenz des Auktionsprozesses? Nein, meint Michael McGinnis. Für ihn entwickelt sich das Geschäft zum Mischmodell zwischen Privatverkauf und Auktion: „Einlieferer schätzen den Wettbewerb, da kann potentiell mehr erzielt werden. Aber Garantien sind nun mehr oder weniger Industrienorm. Vor allem bei den wichtigsten Losen sind sie entscheidend für die Akquise“.

An die Spitze des Abends setzte ein Telefonbieter wie erwartet bei 9,04 Millionen Dollar eine späte unbetitelte rote Kritzelei (2006) des im Juli verstorbenen Cy Twombly. Mit „Nine Gold Marilyns (Reversal Series)“ (1980) nahm Andy Warhol in den Achtzigern seine frühe Bewunderung Marilyn Monroes wieder auf. Eine japanische Sammlung reichte sie zu 7,9 Millionen Dollar an einen Telefonbieter weiter.

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