Zeitgenössische Kunst
"Mindestens einen Katz will ich haben"

Vor allem private Sammler verehren den unterkühlten Stil des amerikanischen Malers und Graphikers Alex Katz. Sechsstellige Summen zahlen Sammler in Galerien und auf Auktionen für seine großen, unverkennbaren Porträts. Sie sind die Attraktionen seiner Einzelausstellung in der Galerie Klüser in München.
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MünchenDer Münchner Galerist Bernd Klüser weiß, dass Sammler im Falle von Alex Katz vor allem eins wollen: die übergroßen, flächigen, distanzierten Porträts mit den leeren Hintergründen. Ohne sie ist eine Katz-Ausstellung wie lauwarmer Kaffee. Und so lächelt in seiner gerade eröffneten Verkaufsschau mit etwa 20 Gemälden von 1997 bis 2011 auch Ada, Katz´ langjähriges Modell, Muse und Ehefrau, auf „Sunshine“ in den typisch schablonenhaften Zügen vor tiefblauem Hintergrund. Und das überlebensgroße Close-Up eines Frauengesichts mit tiefschwarzer Sonnenbrille verströmt jene unbezwingbare Kühle, die Katz das Etikett eines Chronisten des US-Lifestyles einbrachte. Zwischen 290.000 und 430.000 Euro kosten die monumentalen Gemälde. Das Porträt „Vivien“ vor pechschwarzem Hintergrund war am Eröffnungsabend bereits reserviert.

Mit Bildern wie diesen hat sich der Altmeister der figurativen Malerei der amerikanischen Nachkriegszeit den Kunstmarkt erobert. Er spielt heute in der Ober-Liga und ist doch von den Höchstpreisen, die für Werke seiner Zeitgenossen wie Warhol, Rauschenberg und Lichtenstein gezahlt werden, noch ein Stück entfernt. Zu wenig spekulatives Potential, schätzen Insider. Das spiegelt auch das Auktionsparkett wider. Viel Katz kommt nicht unter den Hammer. Die Erlöse variieren kaum von den Galeriepreisen. Ausnahmen bilden Schlüsselwerke aus den 1960er- und 1970er- Jahren. Teuerstes Katz-Gemälde wurde 2007 bei Sotheby´s „Red Tulip“ mit einem Erlös von 690.000 Dollar, sechs Jahre zuvor hatte die Saatchi-Galerie die zauberhafte Komposition  „Blue Umbrella # 2“ für 666.000 Dollar bei Christie´s erworben.

Drehen an der Preisschraube

Doch von Stagnation kann nicht die Rede sein. Der Künstler selbst dreht gern an der Preisschraube und gibt die Margen vor. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass sie denen der Inflationsrate gleichen. Doch der Markt spielt mit. Bernd Klüser sieht da eine kontinuierlich nach oben steigende Kurve. „In den 1990er-Jahren haben die Großformate umgerechnet 140.000 Euro gekostet, heute liegen sie bei 300.000 bis 400.000 Euro“.

Katz’ Stern ist in Europa erst in den letzen 15 Jahren aufgegangen. „Bei unserer ersten Katz-Ausstellung im Jahre 1989 haben wir nicht ein Bild verkauft“, erinnert sich Bernd Klüser im Gespräch mit dem Handelsblatt. Eine Museums-Ausstellung in Hamburg Ende der 1990er-Jahre hat dem Markt Impulse verliehen.

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Katz-Kollektion in der Sammlung Essl

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