Zeitgenössische Kunst
Moderne Kunst für alte Kathedrale

Reims ist Krönungs-Kathedrale der französischen Könige. Zum 800-Jahr-Jubiläum bestellte Frankreich moderne, abstrakte Glasfenster bei dem Minimalisten Imi Knoebel. Auch ein Zeichen der deutsch-französischen Versöhnung.
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ReimsAnlässlich der Feierlichkeiten zum 800. Bestehen der  Kathedrale von Reims, in der nahezu alle französischen Könige gekrönt wurden, beauftragte das französische Kulturministerium den deutschen Künstler Imi Knoebel (*1940) mit dem Entwurf von sechs großen Kirchenfenstern. Die Wahl eines Deutschen knüpft  symbolträchtig an die deutsch-französische Versöhnung des Jahres 1962 an, die Konrad Adenauer und Charles de Gaulle in der Reimser Kathedrale feierten. Nach einem ersten Versuch mit Entwürfen von Gerhard Richter für die Reimser Kirchenfenster entschied sich das Kulturministerium für Imi Knoebel.

 Der Düsseldorfer Künstler hat fast drei Jahre lang intensiv mit dem Atelier Simon Marq zusammengearbeitet. Das ist eine Firma, die seit 1640 auf Herstellung und Restaurierung von Kirchenfenstern spezialisiert ist. Marq realisierte bereits die 1974 von Marc Chagall entworfenen Fenster im Zentrum der Apsis der Reimser Kathedrale. Ferner sämtliche Kirchenfenster, für die Chagall weltweit Aufträge erhielt.

Leuchtende Farbsplitter

Der Minimalist Imi Knoebel wählte nur Primärfarben aus: blau, gelb, rot in unterschiedlich intensiven Farbtönungen. Sein abstrakter Gesamtentwurf, der im Detail wegen seiner vielen spitzen Winkel technisch schwierig umzusetzen war, beeindruckt durch die Intensität der Farben. Die offizielle Einweihung der 128 Quadratmeter füllenden Kirchenfenster findet am 25. Juni statt.

 Ihre Finanzierung, die sich auf 1,3 Millionen Euro beläuft, übernehmen die Kulturdirektion der Region Champagne-Ardenne, die Kulturgut-Direktion des französischen Kulturministeriums, sowie mehrere Mäzene u.a. die Champagnerfirma Louis Roederer. Die gotische Kathedrale, deren Fundament über einer karolingischen Krypta erbaut wurde, ist seit der Teilung von Staat und Kirche im Jahre 1905 Eigentum des Staates, der für ihre Erhaltung verantwortlich ist. Die Stadt Reims finanziert ihrerseits sämtliche Feierlichkeiten anlässlich des 800. Geburtstages der Kathedrale, die bis Ende Oktober 2011 andauern.

 

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