Zeitgenössische Kunst
Nachdenkliches in Grau und Silber

Die Auktionen mit zeitgenössischer Kunst in London setzten auf reduzierte Farbpaletten und marktfrische Werke von weltweit verehrten Künstlern. Das Angebot spiegelt die Präferenz der Sammler für das puristisch Ungegenständliche. Liebhaber des Figurativen finden Arbeiten von Francis Bacon und Lucian Freud.

LondonWer die Kataloge der kommenden Auktionen für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst in London während der zweiten Februarwoche durchblättert, trifft auf viel ungegenständliche Kunst, wie man sie im Minimalismus und im Informel findet, und auf viel Grau. Das Puristische gilt fortgeschrittenen Sammlern als Ausweis von Kennerschaft. Einsteiger lieben es eher bunt.

Gerhard Richters „Abstraktes Bild (725-4)“ von 1990, geschätzt auf 14 bis 20 Millionen Pfund, handelt Sotheby’s als Toplos. Die Gerüchteküche brodelt schon heftig: Dieses großformatige, ausdrucksstarke Werk könnte wieder den Auktionsrekord für den Künstler sprengen. Erst im letzten Frühjahr erklomm bei Sotheby’s ein „Abstraktes Bild“ von 1986 die Rekordmarke von 30,4 Millionen Pfund. Richter-Gemälde verkaufen sich gut, abstrakte Bilder umso besser.

Marktfrische Abstraktion von Richter

Nur einmal wurde Richters Abstraktion ausgestellt; sie war noch nie im Handel zu sehen. Eine gute Provenienz kann die Arbeit auch vorweisen. Das Bild stammt aus der Sammlung des in London lebenden iranischen Ehepaares Eskandar und Fatima Maleki, die das Gemälde 1996 aus dem Besitz des Künstlers, vermittelt von den Galeristen Marian Goodman und Anthony D’Offay, erwarben. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es kaum wahrscheinlich, dass ein deutscher Bieter auf diesem Preisniveau mitmischen wird.

Schlüsselwerk von Isa Genzken

Aus dem gleichen Jahr wie der Richter stammt eine faszinierende, ebenfalls graue Skulptur der deutschen Künstlerin Isa Genzken. Sie wird hoffentlich in dem Hype mit großen Künstlernamen nicht übersehen. Das auf 150.000 bis 250.000 Pfund geschätzte Werk „Doppelraum“ befand sich ebenfalls seit den 1990er-Jahren in Privatbesitz. Als Schlüsselwerk aus dieser Periode war es allerdings in den wichtigen Genzken-Retrospektiven zu sehen. Die komplexe Arbeit, die sich wie Richter, aber auf ganz andere Weise um die Geschichte Deutschlands bemüht, verharrt in einem Zwischenraum zwischen Ruine und Aufbau, Leichtigkeit und Schwere, Masse und Luft.

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Nachdenkliches in Grau und Silber

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Figuratives von Lucien Freud

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