Zeitgenössische Kunst
Popkunst weckt die globale Begierde

Die Auktionen mit zeitgenössischer Kunst bei Phillips de Pury, Christie’s und Sotheby’s erfreuen sich großer Nachfrage. Es werden Preise bis zu 63 Millionen Dollar erzielt.
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NEW YORK. Die leisen Zweifel, ob der Markt das enorme Angebot der New Yorker Zeitgenossenauktionen absorbieren könne, wurden von den hervorragenden Ergebnissen weggewischt. „Es gibt genug Käufer. Alle alten und auch neue Sammler sind wieder dabei“, sagt Christie’s-Spezialist Robert Manley. Und sogar aus dem Impressionistenfeld wagen sich einige herüber in die zeitgenössische Kunst.

Endlich scheinen die Häuser Erfolgsrezepte gefunden zu haben: Sotheby’s bot wichtige Pop-Art und abstrakte Expressionisten, abgerundet von etablierten jungen Künstlern, auf. Christie’s landete einige umfangreiche kalifornische Nachlässe, und Boutiqueversteigerer Phillips de Pury bot zur Einweihung neuer Räume an der Park Avenue etwas ganz Besonderes. Er ließ den charismatischen Privathändler Philippe Ségalot (New York/Paris) die erste Auktion der Serie „Carte Blanche“ kuratieren.

Ségalot war bis 2001 Zeitgenossenchef bei Christie’s, heute berät er diskret Großsammler wie Christie’s Eigentümer François Pinault und Hedge-Fonds-Milliardär Steven Cohen. Geschickt entlockte er seinem Sammlernetzwerk 33 Lieblingswerke – „teilweise hatte ich ihnen die selbst verkauft“, sagt er munter –, von denen 30 sehr erfolgreich oft innerhalb seiner Kundenkartei weitergereicht wurden. Und alle Beteiligten siegten: Ségalot machte gezielt Werbung für seine Firma GPS Partners, Phillips sah neue wohlbetuchte Sammler, und Ségalots Aura der Exklusivität brachte Bietgefechte und ein neues Preisniveau für einige Künstler.

„Wir haben einen Markt für Meisterwerke“, fasst Michael McGinnis, Phillips’ Worldwide Head Contemporary Art, die Wochenergebnisse zusammen. „Seltene, kommerzielle Arbeiten bringen phänomenale Preise.“ Aber verhaltene Resultate für einige Toplose sandten auch leise Warnungen vor wieder ansteigenden, überzogenen Erwartungen. „Für die Preisregion um 40 Mio. Dollar gibt es maximal drei bis vier Bieter, da ist der Markt sehr dünn. Jedes Haus kämpft um dieselben Sammler“, erklärt ein Spezialist bei Christie’s. „Zehn Millionen darunter ist die Beteiligung wieder phänomenal.“

Alle Abendauktionen setzten hingegen erfolgreich auf ein Pferd: Warhol. Sämtliche 29 angebotenen Werke aus verschiedenen Perioden wurden gut abgesetzt. Seit der Krise ist Warhol der Antriebsriemen des Zeitgenossenmarktes, Preise spielen fast keine Rolle. „Andy ist die Ikone globaler Begierde“, formuliert es Tobias Meyer von Sotheby’s, „auf sein Werk bietet eine globale Gemeinschaft.“ „Je mehr es von ihm gibt, desto gesuchter ist er. Das würde Warhol sehr gefallen haben“, ergänzt Amy Capellazzo von Christie’sFür die Überraschung der Woche sorgte Phillips mit „Men in Her Life“ (1962), der über zwei Meter hohen schwarz-weißen Ode an Liz Taylor. Sie ging zu 63,4 Mio. Dollar (unveröffentlichte Taxe 40 bis 50) an einen Ségalot-Kunden am Telefon, im Saal unterboten vom Händler Harry Blain. Das Bild stammt aus der umfangreichen Warhol-Sammlung der Händlerfamilie Mugrabi und stellt nun den zweithöchsten Warhol-Auktionspreis, nur getoppt von 71,7 Mio. Dollar für den sensationellen „Green Car Crash“ (1963) im Mai 2007..

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