Zeitgenössische Kunst
XXL für den Garten

„Darf’s ein bisschen mehr sein?“ Wenn es um Skulptur für den Garten geht, ja - wissen Trendbeobachter. Deshalb kann der Kunstfreund in Vez Monumentalskulpturen auswählen und kaufen: von Stephan Balkenhol über Julian Opie bis zur Fernand Léger.
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ParisDie engagierte deutsche Kunstmanagerin Susanne van Hagen macht sich den Trend zunutze und organisiert vom 12. September bis 31. Oktober in Vez, im Nordosten von Paris,  eine Verkaufsausstellung mit Skulpturen im Freien. Mit dem griffigen englischen Titel „Small Medium Large“ bietet Van Hagen 30 Werke von 26 Künstlern im Preisbereich von 5.000 bis 500.000 Euro an. Ihr Partner ist der Versteigerer Francis Briest, Direktor des Auktionshauses Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan und Schlossherr der mittelalterlichen Burg „Donjon de Vez“. Briest präsentierte bereits mehrmals Skulpturen im Park seines Anwesens.

Junge Kunst

Etwa die Hälfte der ausgestellten Skulpturen entsteht im Hinblick auf die Ausstellung. Briest, van Hagen und eine dritte, ungenannte Person produzieren sie. Das heißt sie finanzieren sie. „Es handelt sich um eine ganz private Initiative“, betont Susanne van Hagen, die neben Stephan Balkenhol, Jeppe Hein, Carsten Höller, Julian Opie u.a. eine Skulptur von Fernand Léger und zwei Arbeiten von Jim Dine auswählte.

Produzieren und verkaufen

Auktionator Briest spricht von der aktuellen „Wende“ in seinem Beruf, den er seit den 1980er- Jahren ausübt. Er war es, der in Frankreich den höchsten Zuschlag des ersten Halbjahres 2011 erzielte: 5,7 Millionen Euro für das Gemälde „Hafen von Swinemünde“ von Lyonel Feininger“. Briest möchte „Kunst von heute“ vermitteln, wie er ausdrücklich betont, indem er sie produziert, ausstellt und verkauft.

Für seine früheren Sommerausstellungen im „Donjon de Vez“ engagierte Briest je einen Kurator. Darunter den überbegabten Laurent Le Bon, der seit einem Jahr Direktor des Centre Georges Pompidou in Metz ist. Le Bon zeichnet auch für die Ausstellungen zeitgenössischer Künstler in Versailles verantwortlich. Vermutlich ist Le Bon das Bindeglied zwischen Versailles und Vez. So sieht man gerade in Versailles Skulpturen von Bernar Venet, die auch zum Angebot des „Donjon de Vez“ zählen. Im Sommer 2012 werden die fantasievollen Kreationen der Portugiesin Joana Vasconcelos (* 1971) den Park des Sonnenkönigs  beleben. Im „Donjon de Vez“ ist Vasconcelos mit einer speziell produzierten, sehr poetischen Arbeit vertreten. Susanne van Hagen hat Vasconcelos auch im Programm ihrer Londoner Firma „Artfact' Paris“.

Die Londoner Galerie Lisson ist mit ihrem Neo-Pop-Künstler Julian Opie und dessen Cartoon-Tänzerinnen in Vez vertreten. Carsten Höller steuert einen drei Meter hohen, wurmstichigen Fliegenpilz bei.

Mini-Phallussymbol oder Großskulptur?

Seit der Antike stellen Kleinbürger Gartenzwerge in  den Garten. Jetzt tendieren Großbürger zu Monumentalskulpturen. Eine Trendwende vom Mini-Phallussymbol zum Überdimensionalen? Die Ironie des Schicksals will es, dass Laurent Le Bons erste Ausstellung die Geschichte der Gartenzwerge behandelte.

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