Zeitschrift
Pardon, ist nur Satire

Einst war "pardon" die führende Satirezeitschrift in Europa. In den 80ern wurde sie eingestellt. Zwanzig Jahre später hat der Satiriker Bernd Zeller "pardon" wiederbelebt - jedoch unter ganz anderen Voraussetzungen.

LEIPZIG. Bernd Zeller ist erkältet. Mit brüchiger Stimme und gelegentlichem Husten erscheint der Chefredakteur der Satirezeitschrift "pardon" zur Lesung. Zeller entschuldigt sich für seinen Gesundheitszustand. Er habe sich auf der Fahrt nach Leipzig "im Stau eine Allergie eingefangen". Einige Zuhörer schmunzeln über diese erste versteckte Pointe. Später, wenn er eine Stoiber-Parodie aus dem aktuellen Heft liest, erntet er mehr Lacher. Ein dankbares Thema. Ansonsten geht mancher Witz unter. Es mag am Hintergrundlärm liegen, an Zellers Stoßatmung oder natürlich an seiner Vorliebe für versteckte Pointen.

Zeller, geboren 1966, ist Buchautor, Karikaturist und ehemaliger Gag-Schreiber von Harald Schmidt. Vor ein paar Jahren übermannte ihn die Unzufriedenheit darüber, dass es in Deutschland kein "echtes Satire-Magazin" gebe. Also gründete er eines. Vielmehr, er hauchte einem untergegangenen Riesen neues Leben ein. Die FAZ attestierte "pardon" einst, über fast zwei Jahrzehnte "Einfluss auf den Zeitgeist der Republik genommen" zu haben. Doch damals hatten Satirezeitschriften eine andere Funktion, nicht jedes Thema war schon von der Vielfalt der Medien zu Genüge abgedeckt.

"Ein Rotlicht-Report war in den 60ern oder ?70ern ein absolutes 'pardon'-Thema. Heute ist das doch schon überall gelaufen", sagt Zeller. Den Zeitgeist-Anspruch des alten Heftes zu bewahren sei daher "vermessen". Der Bedeutungsverlust wird an der Auflage sichtbar: Die erste der neuen "pardon" lag bei knapp 100 000 Exemplaren - ein gutes Ergebnis, sagt Zeller, der sie selbst finanziert hat. Einst waren es 300 000 und mehr als 1,5 Millionen regelmäßige Leser.

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