Zero-Künstler Günther Uecker
„Es wird mehr Geld gedruckt als Kunst gemacht“

Günther Uecker ist einer der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart. Warum Schrift für ihn große Bedeutung hat, woher er seine Impulse bekommt – und wie er die Hochpreis-Ausschläge auf dem Kunstmarkt begründet.
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DüsseldorfVoll Energie und Humor zeigt Künstler Günther Uecker seinen Gästen Hans-Jürgen Jakobs und Susanne Schreiber zunächst sein weitläufiges Atelier, als die beiden Handelsblatt-Redakteure zum verabredeten Interview bei ihm im Düsseldorfer Medienhafen erschienen sind. Auf ungezählten Stühlen und Tischen liegen Bilder, Fotos, Notizen und Bücher. Aufgeschlagen und hoch gestapelt. Immer zu einem Themenkomplex angehäuft, als Anregung für den Künstler, der die Zero-Kunst mit entwickelte. Dazwischen ein Hammerklavier und eine Küchenzeile.

Die Schrift ist für den Maler, Bildhauer und Buchkünstler wegen ihre Mitteilungskraft von großer Bedeutung. Zeitungen hat Uecker nicht nur gelesen, sondern auch zu Werken gemacht. „Zeitungen waren für mich Akkumulatoren von Aussagen“, denen er durch eingeschlagene Nägel ein anderes, neues Aussehen verlieh. „Zeitung war für mich ein aufregendes Erlebnis. Anfang der 1960er-Jahre in New York war ich vom Umfang, der Frische der Blätter und Intensität des Aktuellen sehr berührt. Denn Niederschriften verhindern das Niederschlagen“.

Ein typischer Satz für den Künstler. Den Impuls zum Kunstmachen empfängt Günther Uecker durch gesellschaftliche Umbrüche und Reisen in Krisenregionen, durch die Reflexion der Politik und durch die Begegnung mit Menschen.

1973 etwa bombardieren die Amerikaner beim Rückzug aus Vietnam Laos. Uecker fliegt hin, will sich selbst ein Bild machen. Angerührt vom Leid der Opfer in Laos, beginnt er Kunst zu machen: „Wo Sprache versagt, beginnt das Bild“. Denn das Sagbare reicht nicht aus, um Ueckers komplexen, widersprüchlichen Eindrücke auszudrücken. Die Gewalt, die der Mensch dem Menschen antut, ist das Lebensthema, das sich Ueckers vielfältiges Werk zieht.

Was er mit seiner Arbeit für Werte schafft, ist für Uecker kein großes Thema: „Ich denke bei der Arbeit nicht daran, was das wert ist.“ Für die jüngsten Hochpreis-Ausschlägen auf dem internationalen Kunstmarkt hat er eine einfache Erklärung parat: „Es wird weniger Kunst gemacht, als täglich Geld gedruckt wird. Deshalb zahlen die Leute so viel für Kunst.“ Dass die Preise für Werke von Gerhard Richter und Sigmar Polke noch viel stärker gestiegen als für seine Werke, nimmt Uecker gelassen: „Ich mache nie einen Preis und beeinflusse die Preise nicht.“

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„Opfer und Täter zugleich“

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