Zerstörung einer Familie
Neu im Kino: "Agnes und seine Brüder"

Drei Brüder: Hans-Jörg, Werner, und Martin, der aber jetzt eine Frau ist und Agnes heißt. Deswegen nennt Oskar Roehler seinen Film "Agnes und seine Brüder".

Der Titel verstößt gegen die Regeln der Grammatik, so wie der Film gegen die Regeln des guten Geschmacks verstößt. Oskar Roehler legt eine Familie in Trümmer. Der Vater: ein lüsterner Widerling (Vadim Glowna). Hans-Jörg, der eine Sohn, ist Bibliothekar und steigt den Studentinnen nach, ein verklemmter Spanner und Voyeur (Moritz Bleibtreu in seiner besten Rolle). Werner, der andere Sohn, ist Politiker (Herbert Knaup), ein fieser Autoritätsbolzen, der zu Hause seine Familie schikaniert.

Schließlich Martin, also Agnes (Martin Weiß), der Bruder, aus dem die Schwester geworden ist: fast die einzige sympathische Figur in dieser erbärmlichen Familie. Er, das heißt sie, ist zu gut für diese Welt und wird am Ende an Aids sterben. Werner, der Politiker, und seine Frau (Katja Riemann) werden am Ende zusammenbleiben: die schlimmstmögliche Wendung, weil die Ehe-Hölle weitergeht.

Oskar Roehler ist erbarmungslos. Seht, wie schlimm das alles ist, sagt er. Dagegen ist wenig einzuwenden - wahre Kunst kann eine Krankheit an der Gesellschaft diagnostizieren. Ein gnadenlos böser Film. Der dennoch nicht völlig aufgeht. Denn Oskar Roehler erzählt kalt, mitleidlos, gefühllos. Er kennt keine Zärtlichkeit. Er lässt nicht zu, dass wir etwas für die Figuren empfinden. Sein Film beeindruckt deshalb, berührt uns aber nicht wirklich.

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