Zum Teil heftige Kritik von Literaturkritikerin
Nobelpreis für Pinter: „bizarre“ oder „gute“ Wahl?

Der diesjährige Nobelpreis für Literatur geht an den englischen Dramatiker Harold Pinter. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Die Vergabe kam völlig überraschend und ist auch dieses Mal nicht unumstritten. So bezeichnete Der renommierte Literaturkritiker Denis Scheck die Wahl als "Beleidigung der Weltliteratur". Die Auszeichnung gehört traditionell zu den umstrittensten Entscheidungen der Akademie.

HB STOCKHOLM. In der Begründung hieß es: "Pinter hat in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freigelegt und ist in den geschlossenen Raum der Unterdrückung eingebrochen." Pinter gelte als der "hervorragendste Vertreter des englischen Dramas in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts".

Die Vergabe kam völlig überraschend. Pinter feierte erst vor wenigen Tagen am 10. Oktober seinen 75. Geburtstag. Pinter veröffentlichte seit 1950 Gedichte. Zu seinen größten Erfolgen und bekanntesten Stücken zählen "Der Hausmeister" aus dem Jahre 1959 und "Die Heimkehr" aus dem Jahr 1965. Sein letztes großes Stück war im Jahr 1978 "Betrogen". Letzter britischer Preisträger des Literaturnobelpreises war 2001 der in Trinidad geborene Autor V. S. Naipaul.

Der Chef der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl (56), begründete die Vergabe an Pinter auch mit dessen literarischer Verarbeitung politischer Probleme begründet. Engdahl sagte am Donnerstag im Rundfunk: "Von einem existenzialistisch begründeten Ausgangspunkt in den fünfziger und sechziger Jahren ist der späte Pinter politischer geworden. Er hat sich immer mehr politisch begründetem Leiden zugewandt."

Pinter habe in seinen Dramen "aus der menschlichen Alltagssprache heraus dramatische Situationen geschaffen, die für uns die menschliche Existenz auf eine einzigartige Weise bloßstellen", sagte Engdahl weiter. Der Engländer sei außerdem "als Theatermann ein ausgesprochener Profi": "Schauspieler lieben es, seine Stücke zu spielen. Er hat Dramaturgen auf der ganzen Welt fantastisches Material für ihre Arbeit gegeben."

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