Zum Todestag von Günter Grass
Präsent wie eh und je

Mahner, Kritiker, Nestbeschmutzer: Günter Grass hat polarisiert. Ein Jahr nach seinem Tod sind die Bücher des Literaturnobelpreisträgers gefragt wie nie – und die Verkaufszahlen dürften noch weiter steigen.

LübeckDie mahnende Stimme von Günter Grass ist verstummt. Doch ein Jahr nach seinem Tod sind die Arbeiten des Literaturnobelpreisträgers begehrter denn je. Die Nachfrage nach seinen Büchern ist sprunghaft angestiegen, auch das Günter-Grass-Haus in Lübeck bekommt viele Anfragen.

Zum ersten Todestag des Schriftstellers und bildenden Künstlers am Mittwoch (13. April) ruft das Grass-Haus eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben. „In der langen Nacht für Günter Grass werden jedes Jahr an seinem Todestag Freunde und Weggefährten über die unterschiedlichen Facetten seines Werkes und seiner Person sprechen“, sagt der Leiter des Hauses, Jörg-Philipp Thomsa.

Zum Auftakt der Reihe am ersten Todestag werden unter anderem der Kritiker Hanjo Kesting, der Autor Christof Siemes („Das Wunder von Bern“), die Theaterverlegerin Maria Sommer und Benjamin Lebert, Stammgast des von Grass gegründeten Lübecker Autorentreffens, erwartet.

Grass war am 13. April 2015 im Alter von 87 Jahren in Lübeck gestorben. Im Günter-Grass-Haus sind die Werke des Literaturnobelpreisträgers weiterhin präsent. Seit Ende März ist dort eine Ausstellung mit Arbeiten aus seinen Lehrjahren an der Düsseldorfer Kunstakademie zu sehen. „Seit seinem Tod ist das Grass-Haus verstärkt zum Erinnerungsort geworden, gerade für Besucher aus dem Ausland“, sagt Thomsa.

Der 1927 in Danzig geborene Schriftsteller, der nach 1945 zunächst Bildhauerei und Grafik in Düsseldorf studierte, verfasste Romane, Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke. Zu den bekanntesten Werken gehören sein Debütroman „Die Blechtrommel“, „Das Treffen in Telgte“, „Die Rättin“, „Der Butt“, die Novelle „Im Krebsgang“ sowie sein autobiografisches Buch „Beim Häuten der Zwiebel“, in dem er unter anderem seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS offenbarte. Für viel Wirbel sorgte auch sein Gedicht „Was gesagt werden muss“, in dem er die Atompolitik der israelischen Regierung kritisierte – und das ihm den Vorwurf des Antisemitismus eintrug. 1999 war Grass mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden.

Das verstärkte Interesse an den Werken von Günter Grass spürt auch sein Hausverlag Steidl in Göttingen. „So zynisch es ist, aber immer, wenn ein großer Autor stirbt, steigt die Nachfrage nach seinen Büchern, auch im Ausland“, sagt Verleger Gerhard Steidl. Das sei auch bei Grass nicht anders.

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Grass' Auflage dürfte weiter steigen

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