Zwei Romane mit fast identischem Titel befassen sich mit Hedge-Fonds-Managern und ihren Geschäften
Doppelter Absturz

Merkwürdige Typen, diese Hedge-Fonds-Manager. Sie sitzen irgendwo in einem karibischen Finanzparadies und steuern von dort die Kapitalmärkte dieser Welt. Ihre Macht, ihre Unberechenbarkeit beflügeln die Phantasie der Menschen und liefern den Stoff für packende Geschichten. Der Münchener Wirtschaftsjournalist Günter Ogger und der britische Starautor Michael Ridpath haben das Thema nun aufgegriffen - jeder auf seine Art.

HB DÜSSELDORF. In Romanform erzählen die beiden jeweils von Hedge-Fonds-Managern, die die Devisenmärkte in Wallung bringen. Ähnliches Genre, ähnliches Thema und ein fast identischer Titel. "Der Absturz" heißt Oggers Roman, der in diesen Tagen ausgeliefert wird. Und "Absturz" soll auch Ridpath? Buch heißen, wenn es im Januar in deutscher Sprache erscheint. "Purer Zufall", sagt Johannes Jacob, der das Ogger-Buch für C. Bertelsmann verlegt. Sein Verlag habe den Titel via Titelschutzanzeige im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels schützen lassen. Auch Julia Giordano vom Ridpath-Verlag Hoffmann & Campe geht von einem Zufall aus. "Das ist ein sehr guter, sehr dynamischer Titel. Wir haben von dem Bertelsmann-Projekt bisher nichts gewusst." In England ist das Buch unter dem Namen "On the Edge" erschienen, was wörtlich übersetzt "An der Kante" bedeutet.

Günter Ogger selbst beteuert, das Ridpath-Buch nicht zu kennen. Bisher ist er nur als Sachbuchautor in Erscheinung getreten. Vor allem mit seinen "Nieten in Nadelstreifen" hat er Eindruck hinterlassen - seine Bücher haben sich millionenfach verkauft. "Der Absturz" ist sein erster Roman. Ein zügig geschriebenes Buch mit einem fesselnden Plot.

Die Geschichte beginnt mit dem Flugzeug-Absturz eines Medienunternehmers. Der Mann stirbt und hinterlässt ein insolventes Firmenkonglomerat. Sein Sohn hält sich mit Vorträgen an der Uni über Wasser. Im Hörsaal lernt er eine junge Afghanin kennen. Die beiden sehen einen Zusammenhang zwischen der Pleite des Vaters und seinem mysteriösen Tod. Als Strippenzieher vermuten sie Dieter Testorp, einen Hedge-Fonds-Manager, dessen Karriere mit computergestützten Prognosen über die Entwicklung der Devisenmärkte begann. Es entwickelt sich eine Verfolgungsjagd, in deren Verlauf die Gewalt eskaliert.

Interessant sind die Anspielungen, die Ogger in dem Buch versteckt: Wer ist der ominöse Strippenzieher, von dem Ogger sagt, es gebe ihn tatsächlich? Hat dieser Mann auch versucht, mit der Bundesbank ins Geschäft zu kommen? Kann eine Hand voll Spekulanten weltweit Wechselkurse nachhaltig manipulieren? Wie kann es sein, dass immer wieder renommierte Manager mit dem Flugzeug abstürzen, so wie beispielsweise Edson Mitchell, der im Vorstand der Deutschen Bank saß und Weihnachten 2000 bei einem Absturz in den USA starb?

Ogger weiß, dass rational denkende Menschen wenig von Verschwörungstheorien halten. Und er kennt die Grenzen des Journalisten. Gelegentlich haben ihn schon die Gerichte gebremst, wenn er Behauptungen über Manager oder Unternehmen nicht stichhaltig genug beweisen konnte. Insofern ist die Romanform klug gewählt, zumal Ogger ein erstaunliches erzählerisches Talent an den Tag legt.

Schade nur, dass er nicht ganz auf autobiografische Hinweise verzichtet hat. Ogger, selbst verurteilt wegen Steuerhinterziehung, spricht in seinem Buch vom deutschen Fiskus, der ein "Gestapo-Image" habe - eine überflüssige Bemerkung.

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