Zweiter Teil geht schon in Neuauflage
Illies: „Erstmal watsche ich mich selbst“

Mit „Generation Golf. Eine Inspektion“ hat der Journalist Florian Illies eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher des Jahres 2000 abgeliefert. Auch „Generation Golf zwei“ fand sofort reißenden Absatz, spaltet aber auch die Lager.

HB/dpa BERLIN. Mit „Generation Golf. Eine Inspektion“ hat der Journalist Florian Illies, Jahrgang 1971, eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher des Jahres 2000 abgeliefert. Der Text stand mehr als 52 Wochen in der „Spiegel“-Bestseller-Liste. Die seit kurzem im Handel erhältliche Fortsetzung, „Generation Golf zwei“, fand sofort reißenden Absatz, landete erneut auf hohen Rängen in diversen Bestseller-Listen und entfachte ein ungewöhnlich heftiges Pro und Contra in den deutschen Feuilletons.

Die von ihm porträtierte Generation sei „eine Generation von skeptischen Optimisten“, sagte Illies. Er sieht bei den Vertretern seiner Altersklasse eine „Phase der Politisierung“ kommen, ausgelöst insbesondere durch die derzeitige schwierige ökonomische Lage in Deutschland. „Ich beschreibe eine, meine Generation, die nach der extremen Erfahrung des Aufstiegs und des Abstiegs der letzten drei, vier Jahre versucht, die Dinge zu ordnen und mit einer veränderten Lebensauffassung die Zukunft anzupacken.“

Illies sieht für seine Altersgenossen „die Aufgabe, laut zu sagen, dass es so nicht weiter gehen kann.“ Er ergänzt: „Dafür braucht es natürlich politische Leidenschaft, die vielleicht von der nächsten Generation, der Generation Golfkrieg, wieder in die Politik getragen wird.“ Wobei seiner Meinung nach die Einteilung in traditionelle politische Spektren für die heute 30- bis 35-Jährigen nicht mehr gelte: „Die in Deutschland anstehenden drängenden Fragen brauchen Antworten, die mit links und rechts nichts mehr zu tun haben.“

Auf die zum Teil heftigen Vorwürfe mancher Rezensenten, sein Buch sei anmaßend, erwidert er: „Ich sehe mich ja selbst als Angehöriger dieser Generation. Nur deshalb maße ich es mir an, über sie zu sprechen.“ Illies verteilt in dem Buch auch heftige Ohrfeigen an seine Generation, die in seiner Beschreibung oftmals oberflächlich und lasch anmutet. Auch das hat den Zorn einiger Kritiker entfacht. Dazu bemerkt er mit lakonischem Witz: „Erstmal watsche ich mich selbst.“

Der 1999 mit dem Ernst-Robert-Curtius Förderpreis für Essayistik ausgezeichnete Illies war von 1997 bis zum Herbst 2002 in der Feuilleton-Redaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und wurde bekannt als Gründer sowie Chef der im Juni des vorigen Jahres wieder eingestellten „Berliner Seiten“ der „FAZ“. Die Sprache seines Buches ist deutlich von journalistischen Erfahrungen geprägt: schnell, pointiert, ironisch. „Es ist ja mein Anspruch, ein Buch zu schreiben, das man mit Spaß liest“, sagt Illies dazu. Das offenbar bei vielen Lesern ankommt. Nur eine Woche nach Verkaufsbeginn von „Generation Golf zwei“ konnte der Verlag nach 80 000 ausgelieferten Exemplaren bereits den Druck einer Nachauflage in Auftrag geben.

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